Gutes für heisse Tage

In den Sommermonaten, wenn auf dem Markt gute Auberginen und Tomaten aus der Schweiz erhältlich sind, kenne ich jeweils kein Halten mehr und werde zum Teilzeitvegetarier. Ein absolutes Muss, um den Sommer stilgerecht zu eröffnen, sind die griechischen «Melitzanes Imam».


Wie so häufig bei den ganz guten Rezepten ist auch dieses todsimpel. Man benötigt eigentlich nur drei gesunde Zutaten: Auberginen, Tomaten und rote Zwiebeln. Und Zeug, das halt in einer guten Küche einfach so herumsteht. Von vorne und für zwei Personen:

viel gutes griechisches Olivenöl
2 Auberginen
mindestens 3 grosse rote Zwiebeln (oder halt auch gelbe, wenns nicht anders geht)
800 g reife Tomaten
12 Nelkenköpfe
8 Kugeln Nelkenpfeffer (Piment, Jamaikapfeffer)
1 TL Zimtpulver
etwas Rotwein

Die Auberginen längs in Schnitze achteln und in reichlich Öl portionenweise langsam anbraten. In eine weite feuerfeste Form stellen. (Für zwei Personen nehme ich die grösste im Haushalt, die den Ofen ausfüllt: Das Gericht wird dann am besten, wenn die Auberginen nicht gestapelt werden müssen, sondern nebeneinander liegen dürfen.) Auberginen leicht salzen.

Die grob gehackten Zwiebeln gut andünsten, mit den in Würfel geschnittenen Tomaten vermengen und weiterdämpfen. Salz, Pfeffer, gemörsertes Nelkenzeugs und Zimt dazugeben. Keine Angst, wenn es kurz wie Weihnachten riecht, so muss es sein! Mit einem Schluck Wein ablöschen (nach Möglichkeit mit dem, den man nachher ohnehin zu kredenzen gedenkt), Flüssigkeit etwas eindampfen lassen, und die Mischung dann über die Auberginen geben.

Jetzt wirds heiss: Bei knapp 250 °C für 45 Minuten in den Ofen geben, bis das Gericht oben langsam eindunkelt. Es darf dunkler sein als auf dem Bild oben, da kommt die Farbe nicht so gut zur Geltung. Und dann zusammen mit einem lauen Sommerabend und einem Glas guten Weins geniessen. Und glücklich werden.

Zufall

Entweder kaufe ich neue Musik ja im Onlineshop mit dem angebissenen Apfel (btw: Die Musikindustrie scheint noch immer nicht restlos aus dem Erfolg des ITMS gelernt zu haben. Meines Erachtens ist die supersimple Methode, wie man dort Musik kaufen kann, die einzige mit Zukunft.), oder ich kopiere sie von FreundInnen mit gutem Musikgeschmack. Was in der Schweiz glücklicherweise noch völlig legal ist.

Manchmal aber bringen mich interessante Zufälle zu ganz tollen Alben, wie neulich zu «Girls and Boys» von Ingrid Michaelson, das bei mir inzwischen bei den meistgehörten Scheiben gelandet ist.

Beim Launch des iPad in den USA schwirrten selbstgedrehte Videos von Technikbloggern und anderen durchs Netz, wo wir Europäer neidzerfressen die wichtigsten Funktionen des kleinen Computers quasi live begutachten konnten. Und einer dieser Blogger zeigte die Funktionalität des Medienplayers, indem er ein Lied von ebendieser Frau Michaelson abspielte. Selbst in der schlechten Qualität des Youtube-Videos kam die melancholisch schöne Stimme der Sängerin wunderbar zum Vorschein. iTunes anwerfen und die Platte kaufen war dann schnell erledigt.

Und nein, deswegen werde ich trotzdem kein iPad kaufen, obschon ich krankhafter Early Adopter und Technik-Geek bin. Aber zwischen iPhone und kleinem Notebook sehe ich keinen Anwendungszweck für ein drittes Gerät.

Zitat der Woche

Südafrika beweist, was niemand für möglich hielt: man kann Fussballfans mit Lärm nerven. Es gibt etwas, das noch viel nerviger ist als sie selber.

Gefunden bei Heise, im Artikelforum über die technischen Möglichkeiten des Ausfilterns des Getrötes.

Jaa, nennt mich ruhig Spielverderber! Aber ich habe zum Beispiel absolut NULL Verständnis dafür, dass die städtische Hauptverkehrsachse während Stunden fast unpassierbar ist, weil «wir» per Zufall ein Tor geschossen haben. Wie weltbewegend!

Der Laienmediziner

…fragt sich, wieso eine Dosis Diphtherie, Polio und Tetanus (linker Oberarm) sich nach Stunden noch wie ein übler Faustschlag anfühlt, eine Dosis Hep A (rechter Oberarm) hingegen trotz doppelter Menge nicht spürbar ist. Sind Profis anwesend?

[Nachtrag 2010-06-11, 05:17] Selbstdiagnose: Hep A hat offenbar ganz einfach eine langsamere aber nicht weniger heftige Immunantwort.

sprachlos

Der BP-Chef Hayward übt sich nach der desaströsen Kommunikation in den vergangenen Wochen im neusten Video immerhin darin, echte Betroffenheit zu zeigen. Die wahre Tragödie wird aber – wie es unter anderem beim drüben bemerkt worden ist – marketingtechnisch perfekt ausgeblendet. Öl ist höchstens hübsch farbig schillernd in Luftaufnahmen zu sehen. Für die richtig brutalen Bilder sind einmal mehr die Jungs aus Boston zuständig:


© AP Photo/Charlie Riedel

Da brauchts fast bei jedem Foto einen Zartbesaitete-bitte-wegschauen-Disclaimer.

slow food II

Nach dem Cliffhanger von letzter Woche gibts hier selbstverständlich noch den zweiten Teil der Produktion des Nicht-Knet-Brotes. 24 Stunden langsames Gehenlassen ergeben einen Teig von einer wunderbar schönen feuchtelastischen Konsistenz. Der unheimlich gut duftet.

Werden Arbeitsfläche und Hände gut bemehlt, lässt sich der Teig gut von beiden Seiten zusammenfalten. Auf diesen Schreck darf er sogleich eine weitere halbe Stunde ruhen, währenddessen der Backofen – und darin ein gusseiserner Bräter mit Deckel – auf 250 °C erhitzt wird. Dann muss schnell gearbeitet werden: Bräter aus dem Ofen, Teig hineinschmeissen und den Topf zugedeckt wieder in die Hitze stellen. Eine halbe Stunde lang wird nun geschlossen gebacken. Damit soll die Feuchtigkeit zusammengehalten werden (und das Beschwaden eines Profi-Ofens simuliert werden).

Nach einer geheimnisvollen halben Stunde (Ofen oder Topf öffnen ist streng verboten) kommt der Deckel weg, und das Brot darf während einer Viertelstunde die volle Hitze geniessen. Wer alle Handgriffe ohne Brandblasen hinkriegt, darf sich «von» nennen.

Danach kommt das Brot aus dem Ofen und zum Abkühlen auf ein Gitter. Und arbeitet da noch weiter: Während des Abkühlvorgangs knackt es vernehmlich in der Kruste.

Was soll ich sagen? Selten so gutes Brot gegessen. Ein ungeahntes Aroma, das man aus einer einfachen Weizen- und Roggenmehlmischung herausholen kann. Eine fantastische Konsistenz. Und eine Haltbarkeit, die Migros-Brot vor Neid erblassen lässt.

Und somit schulde ich euch lediglich noch die Zutaten, übersetzt ins metrische System (wieso die Amis immer noch mit Tassen und Gallonen arbeiten, soll mir bitte mal einer erklären):

3 dl Wasser
1/4 Hefewürfel (ca. 10 g)
1.25 KL Salz
400 g Mehl (bei mir Bio-Bauernmehl vom anderen Grossverteiler)

Hefe und Salz von Hand im Wasser auflösen. Mehl dazugeben und von Hand rasch zu etwas Teigartigem zusammenmengen. Klarsichtfolie auf den Teig, damit er nicht austrocknet, und an einem warmen Ort gehenlassen.

slow food

Der Hype zieht aktuell gerade durch die Foodblogs, da kann ich mich als passionierter Experimentalkoch nicht zurückhalten und muss mich am «Nicht-Knet-Brot» versuchen. Das Rezept ist banal (Die genauen Werte folgen dann nach erfolgreichem Backprozess): Ein bisschen Wasser mit etwas Hefe und Salz vermischen, rasch von Hand Mehl darunterrühren, bis es halbwegs teigig aussieht. Fertig. Die Unterschiede zum normalen Knet-Teig sind der deutlich flüssigere Teig und der sehr sparsame Einsatz von Hefe.

Und dieses bisschen Hefe darf nun während mindestens 24 Stunden bei Raumtemperatur sich abmühen und wirken. Als Preis für die lange Gehzeit soll ein Brot mit ausgeprägt elastischer und feuchter Krume und sensationellem Aroma winken. Ich lass mich gerne überraschen, der Teig ist inzwischen gerade einmal 12 Stunden alt. Und sieht irgendwie beängstigend aus wie eine ausserirdische Lebensform aus Sci-Fi-Romanen.

Stimmbildung

Heute Morgen hat man als Medienkonsument keine Chance, den «Eurovision Song Contest» zu ignorieren. Den aufmerksamen Audiophilen beschleicht beim Hören des Siegerbeitrags aus unserem Nachbarland die Frage, weshalb im Vorfeld nur über das grausliche Englisch der Sängerin die Rede war. Darüber könnte man ja noch grosszügig hinweghören.

Aber dass die Sängerin des «besten Songs 2010» (oder wie die Auszeichnung wohl heissen mag) keinen Ton sauber trifft, spricht nicht gerade für die Qualität des Wettbewerbs und der Jurierung. Und wenn bild.de heute gar schreibt «Lena trifft bei ihrem von ganz TV-Deutschland seit Wochen herbeigesehnten Auftritt jeden Ton», muss es in der Vorausscheidung wohl noch übler gewesen sein.

Brrrr, darauf muss ich mir einen gut gelagerten Bob Dylan genehmigen!

ungleiche Massstäbe

Da werben aktuell irgendwelche Fanatiker schweizweit auf allen Plakatwänden für ihre depperte Idee, dass die wissenschaftlich anerkannte Evolutionslehre Schwindel sei. Sie glauben wohl lieber einer alten Geschichte, wonach alles innert sechs Tagen erschaffen wurde, und am siebten Tage ruhte er. Eine «wissenschaftliche» Konferenz kündigen sie gar an. Wers glaubt wird selig.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Plakatserie im letzten Sommer, die in einigen Städten gar nicht erst bewilligt und auch hier in Luzern erst nach einer Unbedenklichkeitserklärung der Landeskirchen aufgehängt worden ist.

Ob das bei der aktuellen Kampagne – die erst noch aus der islamischen Ecke kommt – gar kein Problem war? Da könnte man die genau gleichen Argumente in die Diskussion werfen.

BTW: Die beste Reaktion auf die Plakate war offenbar in Fribourg zu sehen, wo eines mit dem Spruch «la terre est plate» verziert worden war!

süss?


© AP Photo/Gerald Herbert

Sieht auf den ersten Blick aus wie lecker Schoggicrème. Wäre da nicht der gelbe Handschuh, den man zur Zubereitung dieser Köstlichkeit normalerweise nicht trägt. Nein, das ist leider die Sosse, die aktuell in Louisiana an wertvolle Küstenlandschaften schwappt. Eindrückliche Bilder von dieser Katastrophe gibts hier. Und wenn ihr schon mal dort seid: Das Bildblog des «Boston Globe» mit Agenturfotos zu aktuellen Themen gehört zu den besten seiner Klasse. Mitlesen und -schauen lohnt sich sehr.