Spinner

Was letztes Jahr einer archaischen Initiation ins Bikefahren gleichkam, musste heuer selbstverständlich bei der ersten Gelegenheit wiederholt werden: Die zweirädrige Besteigung des Luzerner Hausbergs. Das sommerliche Wetter bot die perfekte Kulisse für die Aktion.

Auf dem direkten Weg von Alpnach via Lütoldsmatt ist man im Nu 1600 m höher auf dem Gipfel, so steil ist die Strecke dort. Wo vermutlich vor wenigen Tagen noch ordentlich Schnee gelegen hatte, war dank der sonnigen letzten paar Tage und des löchrigen Karstgesteins eine ideale trockene Rennstrecke. Einzig die letzten 250 Höhenmeter des Aufstiegs nach dem Laub kann man getrost in die Kategorie «Spinnerei» einordnen: Wenn nicht der eigene Stolz und das ersehnte Essen auf Pilatus Kulm ein Wörtchen hätten mitreden können, wären wir wohl vor dem Gipfel wieder umgekert. So schleppten wir halt tapfer unsere edlen Maschinen über die steilen Schneefelder. Und ja, es hat sich gelohnt: Die Älpler-Magronen in luftiger Höhe – wenn man den Koch nett und erschöpft ansah, versorgte er einen mit einer Traumportion – sind nicht zu verachten!

Zitat des Tages

people disappoint
get used to it
or lower your expectations

Hier gefunden.

dämlich

Das gleiche Bild seit Tagen. Man könnte direkt depressiv werden, wäre man es nicht schon lange. Wenigstens ist Yahoos Wetter nicht immer zutreffend: Gestern reichte es doch tatsächlich für eine mehrstündige fast niederschlagsfreie Biketour.

Tarte au citron

Wie üblich wenn Besuch angesagt ist, wurde auch heute der grosse Haufen ungekochter Rezepte nach Kochbarem durchwühlt. Ein recht archaisch anmutendes Dessert ist diese ganz einfach herzustellende Tarte:

Teig
50 g Zucker
150 g Mehl
100 g Butter

Farce
80 g Zucker
2 Eier
2 Zitronen
40 g Butter

Die weiche Butter wird zusammen mit Zucker und Mehl von Hand zu einem Mürbeteig geknetet. In ein ausgebuttertes Blech von 22 cm Durchmesser drückt man drei Viertel des Teigs flach hinein. Den Rest rollt man zu einer Wurst und formt damit den Rand der Tarte.

Ist die Mise en Place für die Farce gut durchdacht, reichen die 12 Minuten, die der Teig alleine bei 180 °C im Ofen schwitzt, problemlos aus, um das süss-saure Innenleben zu produzieren. Ansonsten lagert man das Blech im Kühlschrank zwischen.

Im nicht zu heissen Wasserbad werden Eier und Zucker erwärmt und mit dem Schneebesen schaumig geschlagen. Das durch die Wärme zaghaft gerinnende Ei ist für einen stabilen und luftigen Schaum zuständig. Dann kommen Saft und Schale von den Zitronen und die sehr weiche Butter dazu. Ich habe nur den Saft von etwa 1.5 Zitronen verwendet, sonst wäre es wohl zu flüssig geworden. Und weil ich der Masse ohnehin nicht zugetraut habe, dass sie im Ofen danach überhaupt fest würde, habe ich prophylaktisch ein weiteres Eigelb daruntergemischt. Wäre bestimmt auch ohne gegangen, nächstes Mal weiss ichs dann.

Das Blech mit dem Teig sieht nach den 12 Minuten nicht aus, als würde die Farce darin noch Platz haben – wir haben schliesslich nicht blind gebacken und den Teig am Aufgehen gehindert. Alle Angst war allerdings unbegründet: Der luftige in die Höhe gewachsene Teig schluckte die Farce problemlos, die zubereitete Menge war perfekt. Nach weiteren ca. 30 Minuten im Ofen, wenn die Farce langsam braun wird, kann man den Backvorgang beenden.

Eine sensationelle Konsistenz, was da an saurer Füllung auf dem Mürbeteig liegt! Eine wunderbar ausgewogene Mischung aus Süsse und Säure, vermählt mit dem buttrigen Teig. Und soll mir niemand sagen, mit Margarine wärs gesünder: Lieber einen guten Geschmack und dann dafür ein bisschen länger aufs Bike.

Ihr alle, die das jetzt gleich nachkocht, könnt mich danach sicher mit guten Tips versorgen, wie man den fertig gebackenen Kuchen rückstandsfrei aus dem Blech kriegt. Bei mir hat das trotz des vorgängigen Einstreichens mit Butter nicht geklappt, ein bisschen Teig blieb an der Backform haften. Möglicherweise wegen meiner heftigen Unterhitze (Gasofen) oder dem alten nicht antihaftbeschichteten Blech.

Deutsch für du

Ausser bei den Franzosen man inzwischen fast überall gemerkt, dass gewisse Fachbegriffe, die aus fremden Sprachen entlehnt sind, nicht übersetzt werden müssen. Im ICT-Bereich gibt es sie gehäuft: Das Internet, der Computer, der Browser, der Router. Braucht man nicht zu übersetzen, versteht jeder. Um so lustiger, was ich dieser Tage beim Aufsetzen eines Routers zu Gesicht bekam:

Nicht der einzige lustig-peinliche Fehler. Und es ist immerhin ein Gerät einer bekannten Marke, preislich in der oberen Mittelklasse angesiedelt. LEO gibt zur Auswahl [comp.] der Router / [engine] die Oberfräse / [tech.] der Plattenfräsapparat (was immer das sein mag). Mal ehrlich: How hard can it be? Arbeiten bei dem Hersteller in der Lokalisierungsabteilung nur Anfänger?

beinahe griechisch

Aus schierer Solidarität zur krisengebeutelten Wiege unserer Kultur und weil im Kühlschrank ein paar Brocken Truthahn zu vergammeln drohten, gabs heute ein Stifado. Also fast. Im griechischen Original ist Rind drin, viel mehr Zwiebel und dazu reicht man Kritharaki. Hier gabs alternativ eben Truthahn, der in den Hügeln um Romoos gegackert hatte, Rüebli und Peperoni und feine Bio-Strozzapreti mit Buchweizen. Letztere klingen sehr gesund, merke ich gerade beim Schreiben, sind aber eine sehr schmackhafte Spezialität.

Im gusseisernen Bräter wird griechisches Olivenöl (immerhin etwas wie im Original!) erhitzt und mit einer Knoblauchzehe aromatisiert. Dann wird der Truthahn zusammen mit den sehr grob geschnittenen Zwiebeln kräftig angebraten. Gewürzt wird zwingend mit ordentlich Zimt und Nelkenpfeffer. Salz kommt natürlich auch hinein. Dann ebenfalls grob geschnittene Rüebli und Peperoni. Vor dem Zudecken ein grosszügiger Schluck roten Weins. Heute ein 2006er Selvato aus Apulien vom Bio-Betrieb «Colli della Murgia».

Jetzt wandert das Zeug für mindestens 90 Minuten in den Ofen. Genügend Zeit also, den Wein zu probieren. Denn «Trocken kochen führt zu Fehlleistungen», wie die Grossen zu sagen pflegen.

Zitat des Tages

So werden wir diesen Vulkanausbruch nie vergessen, auch wenn seine Asche längst auf die Äcker niedergeregnet ist oder bei Manufactum vertrieben wird («auf Island gibt es noch einen kleinen Vulkan, der in Handarbeit vorzügliche Asche herstellt, die für uns in einer Sonderanfertigung in Karaffen aus handgeschliffener, noch warmer Lava abgefüllt wurde»).

Florian Illies, DIE ZEIT Nr. 17/2010 (Der Vulkan-Schwerpunkt ist höchst lesenswert!)

wegweisend


© Axel Peemöller

Axel Peemöller hat diese wunderbare optische Illusion als Leitsystem in einem Parkhaus in Melbourne realisiert. Vom richtigen Ort aus gesehen, formieren sich die richtigen Wörter und leiten die suchende Autofahrerin an die gewünschte Stelle. Erinnert sehr an die riesige Installation von Felice Varini 2008 im kleinen Walliser Dorf Vercorin.

Botanik

Im Familienjargon sind sie nach einem längst verblichenen ehrwürdigen Chorherrn benannt. Mitlesende BiologInnen mögen bitte vortreten und mich mit dem Namen des hübschen kleinen Blümchens beglücken, das mir letztens im Garten vor die Linse geraten ist.
Das mehrjährige kriechende Gewächs wandert dem grossen Murphy verpflichtet eigenwillig immer dorthin, wo es eigentlich nicht zu gebrauchen ist und muss dann ab und zu an seinen Stammplatz erinnert werden. Aber überall blüht es wunderschön!

Sandkasten

Timelapse und Tilt-Shift: Das ergibt ganz tolle visuelle Effekte. Etwas für Modelleisenbahnfans :-) Der coole Soundtrack trägt viel zum stimmigen Gesamtbild bei.

Wie er aus über 35000 (!) Einzelbildern den Film produziert und welche Ausrüstung er dabei verwendet hat, erklärt der Chef hier.