masslos

Ich darf in meinem Alter mein Verhalten hoffentlich noch dem jugendlichen Leichtsinn zuschreiben. Anders lässt es sich nicht erklären, dass mich die erste Tour nach einer Schon-Woche (dem lädierten Knie zuliebe) über 90 km und 1800 Hm führt.

Das Entlebuch war heute Ausflugsziel. Der Napf sollte von Romoos her erklommen und in Richtung Willisau wieder verlassen werden. Die Strenge des Aufstiegs ab Romoos wurde glücklicherweise etwas abgemildert, weil meine beiden Streckenabschnittspartner mit den Wanderschuhen unterwegs waren.

Gestärkt durch die Napfgastronomie gings dann alleine auf den technisch anspruchsvollen steilen Trail zur Wiggernhütte hinab. Der Rest der Fahrt war Tempobolzen und Aufpassen, dass die Zunge den Boden nicht berührt.
Prädikat: Sehr empfehlenswert! Die Anfahrtsstrecke zum Napf verläuft fast ohne Unterbruch entlang von Eisenbahnlinien, wäre also leicht abkürzbar.

Zitat des Tages

If it walks on four legs, is slower and stupider than I am, and tastes reasonably good; pass the salt.

Anthony Bourdain

EPIC FAIL #mcafee

Ich hab ja schon mit dem Schlimmsten gerechnet, als unabhängig voneinander zwei Supportanfragen von Kollegen auf Arbeit eintrafen. Irgendein Virus muss unterwegs sein. Der von mir informierte Second Level wusste auch nur, dass wohl so ziemlich das ganze Unternehmen betroffen sein musste, ich war nicht der erste, der diesbezüglich ein Ticket öffnete.

Twitter – in solchen Fällen wirklich die schnellste Informationsquelle – schuf einen ersten kleinen Überblick: Unter dem Stichwort «Virus» war in Dutzenden Meldungen von Firmen zu lesen, denen die ganze IT abgeraucht war.

Keine Stunde später war klar: Der Fehler ist nicht ein Virus, sondern die Antivirensoftware eines ganz Grossen, die nach einem Definitionsupdate eine wichtige Systemdatei als Virus einstufte, unter Quarantäne stellte und damit Hunderttausende PCs in edle Briefbeschwerer verwandelte. FAIL.

EPIC wird es sogleich: Ist der Computer erst einmal so aus dem Takt gekommen, kann der Fehler scheinbar nur vor Ort durch den Spezialisten behoben werden. Ich hoffe ja sehr, dass von den 120 Rechnern, für die ich verantwortlich bin, heute möglichst wenig in Betrieb waren und sich das fehlerhafte Update geholt haben. Ob ich morgen wohl besser krank sein sollte?

Apropos schnelle Information: Meine üblicherweise erstkonsultierte und gutdokumentierte Quelle in ICT-Fragen weiss auch jetzt, Stunden später, noch von nichts. Komisch.

UPDATE: Glück gehabt, ich musste bislang nur gerade 12 Stück reparieren. Im ganzen Konzern scheint jeder fünfte PC betroffen zu sein. Und McAfee hat seine Sprachregelung bereits ein bisschen angepasst. War zu Beginn noch von «slight problem» die Rede, heisst es jetzt «Our initial investigation indicates that the error can result in moderate to significant issues […]». Wobei ein aus Anwendersicht faktisch unbenutzbarer Computer für mich klar als schwerwiegende Angelegenheit einzustufen ist.

Experimentalküche reloaded

Foto und Erlebnisbericht vom Cateringbetrieb am vergangenen Sonntag bin ich ja noch schuldig:

Als Koch kann man natürlich schon punkten, wenn man den «Bunten Frühlingssalat im Kräuter-Nuss-Körbchen mit Peperoni-Forellen-Mousse» ankündigt. Da kann eigentlich nichts schiefgehen.

Die Mousse aus dem Gebläse erwies sich als sehr pflegeleichter Glücksfall. Nach einer Nacht im Kühlschrank musste am Einsatzort nur noch der Behälter unter Druck gesetzt werden, und schon konnte das fröhliche Garnieren losgehen. Optisch sehr gelungen, ideale Konsistenz, sehr feiner Geschmack. Jetzt brauche ich nur noch ein bisschen Übung im Handling, vor allem was die in der blickdichten Flasche verbleibende Menge betrifft. Purer Zufall war es am Sonntag, dass ich das Dutzend Teller vollständig garnieren konnte, bevor dem Bläser die Puste ausging.

Der Vollständigkeit halber natürlich noch das Rezept:

200 g Doppelrahm-Frischkäse
100 g rote Peperoniwürfel (das entspricht in etwa der Menge von eineinhalb geschälten Peperoni)
50-100 ml Rahm
1 Forellenfilet, geräuchert
1 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer, Knoblauch, Zitronensaft nach Belieben und Bedarf

Die Peperoniwürfel andämpfen, die Forelle zerkleinern und von allfälligen Gräten befreien. Dann alle Zutaten fein pürieren. In den Rahmbläser füllen und zugeschraubt mindestens 2 Stunden kühl stellen. Mit dem Rahm kann die Konsistenz der Crème so justiert werden, dass sie gerade noch so aus dem Mixerglas in den Bläser fliesst. Dicker ist nicht gut, und zu dünn sollte sie auch nicht sein.

Bei meinem Kisag-Rahmbläser mit 0.5 l Inhalt muss vor dem Anrichten eine CO2-Kapsel eingefüllt und dann kräftig geschüttelt werden. Und schon ist die Prachtsmousse bereit.

Ja, das aus hochwertigen Materialien gefertigte Küchengerät lässt sich gut vom Fischgeruch reinigen. Und nein, die Schoggi-Mousse, die gestern getestet wurde (125 ml Rahm, 2-3 EL Kakaopulver, 1 EL Puderzucker, 1 EL Rum oder sonstiges Geistreiches, eine CO2-Patrone, fertig) schmeckte nur nach Rum und Schokolade. In dieser Reihenfolge, ich habe den Esslöffel grosszügig aus dem Handgelenk gemessen…

Zitat des Tages

[…] if there’s one universal truth about food, it’s that you can make any food go from good to epic by incorporating bacon.

Hier drüben gefunden.

Experimentalküche

Aus frühester Kindheit sind sie mir noch bekannt, die CO2-betriebenen Schlagrahm-«Bläser». Und in meiner Erinnerung sind das gefährliche Geräte, die alle Schaltjahre einmal aus dem Schrank genommen wurden und bei deren Anwendung die Kinder besser nicht in der Küche waren.

Was für eine Offenbarung, dass ich in der Zwischenzeit in etlichen Rezepten Hinweise darauf gefunden habe, dass man das Mordinstrument nicht nur für langweiligen Schlagrahm, sondern für jede Art von Mousses (Plural von Mousse? Anwesende Germanistinnen bitte korrigierend eingreifen!) verwenden kann. Gekauft, getan. Jetzt schlummert in dem Ding eine Mischung aus Frischkäse, gerösteten Peperoni, geräucherer Forelle und anderen Nettigkeiten. Morgen wird dann Druck gemacht. Und ihr lest selbstverständlich hier reich bebildert, wie die Küche danach ausgesehen haben wird…

Eyjafjallajökull

Endlich mal ein spannender Berg in den Schlagzeilen. Hat schon jemand einen Nachrichtensprecher dessen Namen aussprechen gehört?

UPDATE: Gerade nachgehört. Schweizer Radio DRS spricht während des ganzen Mitternachts-Nachrichtenbulletins von «der Vulkan», «der isländische Vulkan» etc. Bei 10 vor 10 im Archiv auf sf.tv das gleiche Bild. Es scheint wohl niemand ernsthaft daran interessiert zu sein, sich in die Nesseln zu setzen…

UPDATE II: Wofür gibts denn wohl die

      1. alte Tante
? Euch Nachrichtensprechern landauf und landab sei vergeben – das geht ja unmöglich!

Architektur!

Es müssen ja nicht Architektur-Denkmale sein wie Otto Wagners eindrucksvolle Bauten für die Wiener Stadtbahn. Die Berliner S-Bahn hat etliche Kleinode zu bieten, gemauert mit den für die Stadt typischen gelben und roten Backsteinen. Sehr charmant, hier zum Beispiel am Hackeschen Markt:

Da kommen mir unsere schnieken herausgeputzten betonierten Bahnhöfe wahnsinnig trostlos vor.

see that my grave is kept clean

Ein schöner Zufall, dass just beim Durchschreiten des verwunschenen halbwilden Parkfriedhofs Marzahn der Barde aus meinen Kopfhörern das wunderschöne Lied singt.

Der Friedhof ist charakterisiert durch eine vielfältige und teils dichte Vegetation. Bewusst naturbelassen gehaltene Flächen sollen für grosse Artenvielfalt unter den tierischen Bewohnern sorgen. Ein fettes Eichhörnchen war heute die einzige Auffälligkeit.

Und natürlich ist hier eine ideale Begräbnisstätte für den vorausplanenden Eisenbahnfreund, führt doch die S7 direkt daran vorbei.

Pssst!

Ein Geheimtip ist sie wohl schon lange nicht mehr, die Osteria Tarantina beim Hackeschen Markt. Selbst abends um 10 erwischen wir gerade knapp noch einen Tisch. Es ist ein kleines und feines Lokal, das ganz unauffällig in der Nähe eines grossen italienischen Restaurants (dessen Küche übrigens auch sehr gut sein soll) versteckt ist. Per Zufall kommt hier niemand hin.

Schon beim Eintreten merkt man, dass hier richtige Handwerkskunst gepflegt wird: Es riecht nach Hefe, die Pizzateigproduktion läuft auf Hochtouren. Noch vor der Karte werden uns Oliven und frisches Brot (aus Pizzateig aus dem Ofen) präsentiert. Es soll ja niemand während des Auswahlprozesses hungern. Die Karte selbst lässt Gutes hoffen.

Und tatsächlich, die Linguine alla Puttanesca sind ein vollendetes Kunstwerk: Die Teigwaren perfekt al dente – mit ordentlich Biss, wie ich sie gerne mag – eine traumhaft ausgewogene Sauce und dazu ein sehr schmackhafter frisch gemahlener Parmesan.

Die Geeks unter der Leserschaft mögen sich bitte nicht von der etwas ungelenk gemachten Website abschrecken lassen. In der Tarantina scheint man das Hauptaugenmerk auf die Küche zu richten. Zwingender Befehl also für eure nächste Berlinreise: unbedingt hingehen!