usability fail II

Nennt mich einen Neurotiker, aber Uhren in meinem Haushalt haben genau zu laufen. Möglichst auf die Sekunde. Wenn ich die ungefähre Zeit wissen will, kaufe ich mir eine Sonnenuhr.

Nun wird das Telefon des Herstellers mit den angeknabberten Apfel von mir bekanntlich sehr geschätzt und mitunter als Beispiel für besonders gelungenes UI-Design und besonders gute Usability hingestellt. Aber hat jemand von euch geschätzten LeserInnen schon einmal versucht, dem Gerät die genaue Zeit beizubringen?

Dieses kleine Wunderwerk ist ein Mobiltelefon. Und DER Prototyp des mobilen Internets. Und wird bei mir täglich mit dem PC synchronisiert. Etliche Möglichkeiten also, auf eine zuverlässige Zeitquelle zuzugreifen und die innere Uhr zu stellen. Keine davon wird genutzt. Himmel, in welchem Jahrhundert leben wir denn?

Wenn ich gerade schon am Reklamieren bin: Es gibt zum iPhone ja regelmässig benannte Kritikpunkte. Flash fehlt? Ist mir sowas von egal. Schlechte Kamera? So what – ich hab eine gute DSLR. Akku nicht auswechselbar? Hab ich ohnehin noch bei keinem Mobile gemacht. Keine Videotelefonie? Geschenkt!
Aber: Das iPhone ist wohl das einzige Mobiltelefon mit integriertem (nach Eigenwerbung weltbestem) MP3-Player auf dem Markt, das mich NICHT ein Werk, ein Album oder eine Playlist aus der Musikbibliothek als Weckmusik einstellen lässt. Könnte bitte dringend ein Schlafforscher bei Apple vorstellig werden und über den schlechten Einfluss von Klingeltönen als Weck-Klang auf den menschlichen Organismus referieren? An fähigen Programmierern sollte es ja am Infinite Loop nicht fehlen.

Haiku IX

Stay the patient course
Of little worth is your ire
The network is down.

(Nein, gilt nicht als Lage(r)bericht von vorvergangener Woche. Dank dem grossen Provider mit dem Äpfel- und Birnenlogo waren wir dort glänzend vernetzt.)

Speckbrötli

Eine einfache und effektvolle Idee für den reichhaltigen Aperitiv nach getaner Arbeit. Im Prinzip ein stinknormaler Brotteig, der mit Speck und Röstzwiebeln aufgepeppt wird. (Und geradezu nach Variationen schreit.)

1 kg Mehl (Ich nehme gerne Bauernmehl, eine Ruchmehlmischung vom Grossverteiler.)
1 EL Salz
60 g Butter
1 Hefewürfel
6 dl Milchwasser
250 g Speckwürfel
200 g Röstzwiebeln (Gibts in Deutschland an jeder Ecke, hier in ausgewählten Läden. Frische Zwiebeln, langsam dunkel angebraten, gehen natürlich auch.)

Speckwürfel knusprig anbraten und auskühlen lassen.

Mehl und Salz mischen, Butter fein hineinschneiden, Hefe im Milchwasser auflösen, dazugeben und alles zu einem elastischen Hefeteig kneten. Ein Stündchen gären lassen, kleine Brötchen formen, auf dem Blech zugedeckt nochmals kurz gehen lassen und ungefähr eine halbe Stunde dem gut 200 °C heissen Ofen anvertrauen.

Passt perfekt zu einem kühlen Weissen aus St. Saphorin. Und bietet damit eine gute Basis für einen gleichermassen unterhaltsamen wie wirren Film – mehr davon ein ander Mal.

Dividende

Sauber abgestimmt auf den Beginn der Fastenzeit beglückt mich das Bankinstitut des grossen gelben Lieferdienstes mit einem Paket:

Darin zwei Dutzend Pralinen aus der Qualitätsschmiede, begleitet mit den besten Wünschen, dem Hinweis auf ein gutes vergangenes Jahr und dem Dank für langjährige Treue – eine nette Idee, den Jahresabschluss nicht nur mit den Shareholdern zu feiern.

Der Mathematiker rechnet nach und merkt schnell, dass wohl nicht alle eineinhalb Millionen KundInnen zum erlesenen Kreis der Beschenkten gehören. Sonst wäre der feudale Gewinn schnell dahingeschmolzen.
Wieso um Himmels Willen gehöre ich wohl mit meinem bescheidenen Ersparten dazu? Erhellendes findet sich in der Presse: Postsprecher Alex Josty erwähnt als Kriterien Dauer und Qualität der Kundenbeziehung. Die qualitativ hochstehenden und also interessanten Kunden sollen über ihre Rentabilität und ihr Potenzial definiert sein. Da ich für den Betrieb nicht unbedingt wahnsinnig rentabel bin, scheint man sich bei der gelben Bank also Hoffnungen bezüglich meines Potentials zu machen. Schön!

Merde

In guter Erinnerung an einen ehemaligen Franzlehrer («c’est la plus belle langue» oder so) und inspiriert vom Herrn Rouge und seinen Kommentatoren hier wieder mal ein sehr treffendes Filmzitat. Ob ich es Monsieur Küde zukommen lassen soll? Er war schliesslich ein begnadeter Fremdsprachenflucher vor dem Herrn!

I love the French language. I have sampled every language, French is my favourite – fantastic language, especially to curse with. Nom de Dieu de putain de bordel de merde de saloperies de connards d’enculé de ta mère. It’s like wiping your ass with silk, I love it.

(Matrix Revolutions)

komische Kritiker

Nicht das erste Mal fällt es mir auf, das komische Verhalten von Kritikern, wenn eine neue Scheibe einer gestandenen Band erscheint. Klingt eine Neue von Züri West ganz anheimelnd wie Züri West, heisst es sofort, dass sich die Band totlaufe, nichts Frisches mehr auf Lager habe. Ich kaufe eine Platte genau deswegen – weil ich Züri West mag.

Wagt eine Gruppe hingegen auch einmal ein Experiment, passt sie sich anderen Zeiten an, so schreibt die Kritikerzunft schnell einmal, sie verleugne sich, es gebe keinen «autarken Bandsound»; aktuell gerade in der Tagi-Kritik zum neuen Lunik-Album zu lesen.

Dabei bietet dieses neue Album, «Small Lights In the Dark», dem Lunik-Fan ein wunderschönes Hörerlebnis mit den üblichen melancholischen Balladen und Jaëls unverkennbarer Stimme. Natürlich poppiger und dem Mainstream angepasster als «Rumour» oder «Ahead». So what? Mir gefällts. Zum Beispiel «I can’t sleep»:

How could this ever happen – a kingdom fell apart
one minute we were flying and then suddenly it wasn’t enough
[…]
I made a mistake because now I realize that
I can’t sleep without you and I don’t think it’s ever gonna change
I can’t breath without you these days

Ich muss den Kritikern insofern rechtgeben, als dass die ganz tollen Nummern auf der neuen Platte fehlen. Etwa solche wie mein all-time-favorite «Let Go» von der Scheibe «Preparing To Leave»:

It’s hard to accept ‚cause I know deep inside
A love that big shouldn’t be left behind
But after all that was – I still love you
And all I want is the best for you
Unfortunately it doesn’t seem to be me

Gänsehaut.

Rette sich, wer kann!

«Running from camera» – ein cooles Projekt für ein Fotoblog, mit einer ganz simplen Regel: Den Selbstauslöser auf 2 Sekunden stellen und dann Fersengeld geben. Hier werden – wo ist die Kalauerkasse? – im wahrsten Sinne des Wortes flüchtige Augenblicke festgehalten.

Prokrastination, die

Jaa, wieder mal ein ganz besonders gut gelungenes Stück Stop-Motion. Schon vor geraumer Zeit gefunden und letzthin beim Surfen wieder darüber gestolpert:

Höchst interessant ist auch das Making-Of: eine Riesenarbeit!

Wer für den Post-Titel Nachhilfe braucht, wende sich vertrauensvoll an Ärztin, Apotheker, Arbeitspsychologen oder Altphilologin. Oder frage die alte Tante.

boring

Ja, der Arbeitsweg ist wirklich zum Gähnen. Und das tolle Bike auf der Hauptstrasse leicht deplatziert. Aber wenn sich der Frühling wie heute mit aller Kraft bemerkbar macht, gibt es nichts Schöneres, als die Ruhe vor dem Sturm am Morgen in einer flotten Trainingseinheit zu geniessen. Und bei diesem Traumwetter nehme ich sogar den föhnigen Gegenwind auf der Heimfahrt gerne in Kauf.

Rotweincake

Ein blitzschnelles und einfaches Rezept für einen tollen, feuchten, aromatischen Kuchen.
Schokolade war heute Maracaibo 65 % von Felchlin, der Rotwein ein Montepulciano d’Abruzzo von der Cantina Zaccagnini – aber keine Angst: Der Kuchen wird auch mit Kochschokolade und Pennerglück aus dem Supermarkt ganz ansprechend. Wenngleich ich mir selbstverständlich einbilde, dass erst mit den edlen Zutaten das gewisse Etwas erreicht wird.

250 g Butter
4 Eier
250 g Zucker
1 TL Zimt (bei mir eher 2, ich liebe Zimt!)
1 TL Kakaopulver
1.25 dl Rotwein
100 g Schokolade, fein gewürfelt oder geraspelt
250 g Mehl
1 TL Backpulver

Wenn Butter, Eier und Zucker schön schaumig verrührt sind und man sich daran macht, den Rotwein unterzumischen, flockt die Masse leider unschön aus. Zumindest bei mir, vielleicht kann das verehrte Publikum besser backen. Sobald jedenfalls alle Zutaten zusammengemischt sind, sieht es auch bei mir wieder nach einem sehr homogenen Teig aus.
Und nach einer Stunde bei 180 °C im Backofen dann so:

Kann man den intensiven Zimtduft riechen? Oder zumindest erahnen?