Geschichtslektion

Zum sonnigen Aprilwetter gabs gestern eine tolle technische Tour an einen geschichtsträchtigen Ort: Den knapp 900 m über Meer gelegenen Renggpass, einst wichtiger Übergang zwischen Obwalden und Luzern. Dem Pass und dem lieblichen Hügelzug ostwärts davon würde man gar nicht zutrauen, dass er immerhin einige Male Schauplatz kriegerischer Ereignisse war, letztmals am 28. August 1802 im sogenannten «Stecklikrieg».

Heute präsentiert sich der alte Weg mit seinen unzähligen Haarnadelkurven als wunderschöner Panorama-Trail mit hoher fun-to-height-ratio; man bekommt für die 450 Höhenmeter Downhill immensen Spassfaktor geboten.

Das war übrigens wohl meine letzte Tour ins Nidwaldnerland mit diesem auf der Karte komisch aussehenden Ausweichmanöver in den See nördlich des Loppers: Die Not-Pontonbrücke soll demnächst zurückgebaut und der Verkehr auf der nunmehr wieder gesicherten Kantonsstrasse geführt werden.

aus der Serviceabteilung

Zur Aktualität der letzten Wochen hier der wichtige Link: How to pronounce Fukushima.

Für die des Englischen nicht mächtigen Mitlesenden: Fukushima wird ausgesprochen wie Hiroshima, also auf der zweiten Silbe betont. Für IPA-Sprachler: [fuˌkuʃɘmʌ]

Zitat des Tages

Gefunden auf Twitter:

Wer jetzt nicht über den Atomaustieg diskutieren will, darf nach terroristischen Anschlägen auch nicht über neue Sicherheitsgesetze reden.

Nennt mich von mir aus utopischen Spinner oder Ökofundi. Damit kann ich gut leben. Aber wenn ich jetzt wieder das Geschwätz von den ach so sicheren Anlagen hier bei uns höre, bekomme ich das kalte Kotzen.
In der ersten Lektion Risikomanagement kriegt man üblicherweise zu hören, dass zu einer sauberen Risikoabschätzung die zwei Parameter «Eintrittswahrscheinlichkeit» und «Schadensausmass» gehören. Letzterer wird nur zu gerne von den Kraftwerksbetreibern und ihren Lobbyisten ignoriert. Natürlich ist ein Windkraftwerk nicht unbedingt erdbebensicher. Selbstverständlich kann auch eine Staumauer im dümmsten Fall bersten. Und dann gibt es garantiert Tote. Aber es gibt deswegen wohl kaum Langzeitfolgen wie gehäuft auftretende Krebserkrankungen oder Gendefekte. Und kein auf Jahrzehnte oder Jahrhunderte unbewohnbares Gebiet.
In einer Zone im Umkreis von 40 Kilometern um jedes beliebige Schweizer AKW leben mindestens 1 Million Menschen. Viel Spass beim Umsiedeln in die Bündner Bergtäler, wenn der Ernstfall eintritt.

BTW: Bezahlen würde die Folgen einer Katastrophe (gemäss Studien würden schätzungsweise um die 4000 Milliarden Franken anfallen) natürlich die öffentliche Hand, also wir alle, und sicher nicht die Kraftwerksbetreiber. Deren Haftung beträgt lächerliche 2 Milliarden Franken. Die Autos auf dem Parkplatz vor dem Kraftwerk sind zusammengenommen besser versichert!


© Ralph du Carrois

Büro

Bei aller Liebe zum im hohen Alter neu entdeckten Sport Skifahren: Sobald die Temperaturen auf Werte steigen wie diese Woche, kennt man hier kein Halten mehr: Das Bike wird frisch eingesaut. Und das ohnehin schon unverschämt grosse Büro um zwei Räume erweitert. Hier die Variante «Stadt»:

Zum Glück hat der schnittige kleine Computer ein genügend helles Display, damit man auch bei direkter Sonneneinstrahlung und mit montierter Sonnenbrille noch mühelos arbeiten kann.
Und ja, ich weiss, die Fastenzeit hat begonnen und Schoggi und Kaffee stünden hier eigentlich auf dem Index. Aber zum Frühlingsbeginn darf doch eine Ausnahme gemacht werden?

Blech

Was sehe ich da im Onlineportal der Zeitung, die man schneller gelesen hat, als es der Name suggeriert:

Haben die bornierten Zürcher ein eigenes Symbol für «Scheisswetter» erfinden müssen? Oder ist die leere Katzenfutterdose eine elegante Metapher für «es hagelt Katzen»? Oder ist man schlicht und ergreifend dermassen verzweifelt auf Geldsuche, dass die Werbekunden bereits so offensichtlich über die redaktionellen Inhalte bestimmen dürfen?

Neuentdeckung

Da meint man, die guten Restaurants im Umkreis von 500 Metern ums eigene Domizil längst abgeklappert zu haben. Weit gefehlt, denn heute habe ich mir das Bleichi 23 zeigen lassen. Dort scheint ein Küchenchef mit blühender Fantasie zu walten. Was wir serviert bekommen haben, hat samt und sonders sensationell ausgesehen:

Schon das Amuse bouche hatte es in sich: Mit irgendwas Feinem gemischter Feta auf Pumpernickelscheibchen umrahmte einen Salat aus pikant gewürzter Orange und Fenchel.

Für die des Japanischen Mächtigen: Meine Vorspeise war ein Yasaiitame-Salat. Ganz kurz gebratenes Gemüse mit einer Sauce auf Sojabasis.
Ich konnte mich beim Bestellen gerade noch so knapp beherrschen. Denn das Stichwort «vegan» – das den Salat auf der Karte begleitete – löst bei mir bekanntlich einen pawlowschen Reflex zum Randgruppenbashing aus.

Der Hauptgang war dann erneut traumhaft schön angerichtet:

Schon die Beschreibung liest sich schön: Knuspriger Kartoffel-Walnuss-Strudel auf getrüffeltem Spitzkohl mit Gorgonzolasauce und Dörraprikosen-Chutney. Wau! Deshalb mag ich das Essen auswärts: Kombinationen, die mir nie und nimmer in den Sinn kommen täten, aber die wie selbstverständlich perfekt zusammenpassen. Und eine Präsentation auf dem Teller, von der man viel lernen kann. Pflicht für alle, die in der Nähe wohnen: HINGEHEN!

Lasst mich denen, die jetzt lachen, weil ich als militanter Fleischfresser vehement ein vegetarisches Restaurant promote, mit den Worten des grossen Claudio entgegnen:

Ah, und dann fällt mir noch ein: Es ist vegetarisch. Ja, klar. Und jetzt? Ich bereite andauernd vegetarische Gerichte zu. Nur gehe ich nicht damit hausieren.

Jedes zweite Pastagericht kommt ohne Fleisch aus. Die italienische Küche ist reich an Gemüse- und Getreidegerichten. Nur macht sie keinen Aufstand drum. […] Ich sage nie, ich habe etwas Vegetarisches gekocht. Ich sage, ich habe etwas Gutes gekocht, geniesst es!

Und wenn wir schon dabei sind, hier noch einmal der Meister zum selben Thema:

Ich liebe gutes Essen. Mir ist es scheissegal, ob sich jemand «Vegetarisches Restaurant» nennt oder «Zum blutigen Ochsen». Wer schlecht kocht, wird von mir gemieden. So einfach ist das.

Quickie

Ich hatte keine Lust, mir etwas Schlaues zum Kochen auszudenken. Und dann lande ich momentan immer wieder bei feinen Wähen. Am Wochenende war es ein Kabis-Hackfleisch-Kuchen.

Hackfleisch anbraten, gehackte Zwiebel dazu, ebenso ein in Streifen geschnittener Weisskohl. Dünsten, mit einem Schluck Roten ablöschen und zugedeckt garen. Ich habe wohl nach etwa 20 Minuten den Kabis für genügend weich befunden. Dann wurde abgeschmeckt, neben Salz und Pfeffer auch mit feiner Demi Glace: Kohl und Bratensaucengeschmack sind für mich untrennbar verbunden – muss ein altes Kindheitstrauma sein.

Wenn das Gemüse nicht mehr kochend heiss ist, wird ein zerquirltes Ei darunter gemischt und das ganze Zeug auf einen ausgewallten Kuchenteig gegeben. Ein paar Flocken geriebener Käse obendrauf und dem Ofen anvertrauen, bis man es vor lauter Hunger halt einfach nicht mehr aushält.

Ronjas Herz

Das Schöne am Wochenmarkt ist ja insbesondere der persönliche Kontakt mit den Produzenten. Und wenn ich wie gestern mit den Worten «heute habe ich eine ganz besondere Spezialität für Sie» begrüsst werde, verspricht der Einkauf spannend zu werden. Diesmal wars sogar ein sprichwörtlich persönlicher Kontakt, nämlich der mit der Produzentin Ronja. (Die Blumenkohlfraktion darf einmal mehr schnell weitergehen, hier gibts nichts zu sehen!)

Ein nach uraltem Rezept getrocknetes Rinderherz (auf dem Foto etwa die Hälfte einer Herzkammer). Heute wird dieser Teil des Rindes leider fast ausschliesslich als Hundefutter verwendet. In alten Zeiten soll das Herz wegen des hohen Energieinhalts bei minimalem Gewicht als Verpflegung für unterwegs sehr beliebt gewesen sein.

Was soll ich sagen: Ein ganz feines und zartes Stück Trockenfleisch. Nicht so zäh, wie getrocknetes Rind manchmal ist. Dafür mit einem sehr intensiven fleischigen Aroma. Dazu noch ein Stück vollreifen Vacherins aus dem Freiburgerland und ein kräftiger Rotwein aus dem Süden, und das Znacht ist perfekt.

akrobatisch

Das PDF-Format hat ja ungemein praktische Vorteile. Und mit den Produkten des grossen Ziegelsteinfabrikanten gelingt der Export ins PDF-Format aus jeder beliebigen Anwendung ohne Mühe.

Mühevoll wirds dann aber, sollte man jemals in einem PDF-Dokument etwas ändern wollen. Der grosse Akrobat hat zwar verdankenswerterweise eine Exportfunktion nach RTF & Co. Diese artet dann mitunter allerdings etwas aus:

Nein danke, ich tippe das (zehnseitige) Dokument lieber schnell ab…

did it again

Jetzt beginnt das fröhliche Experimentieren: Das Trauma ist abgearbeitet, nun muss das Grundrezept verfeinert werden. Diesmal sah das folgendermassen aus: Die Hälfte der Flüssigkeit durch Rotwein ersetzen, zusammen mit gehackten Kräutern und einem grosszügigen Schuss Tomatenmark aufkochen. Als Mehl habe ich eine etwas dunklere Sorte eingesetzt. Damit Brandteig und Gnocchetti wie hier fertigstellen. Mit einem Einfachst-Sugo aus zwei riesigen langsam gedünsteten Zwiebeln, unter wenig Frischkäse gehoben, sah der Spass sehr manierlich aus:

Und wie üblich rede ich mir ein, dass ich es selbstverständlich schon gemerkt habe, dass der Wein im Glas und der in den Gnocchetti aus der gleichen Flasche geflossen ist.