Traumabewältigung

Jahre ist es her, dass ich mich einmal im Gnocchi-Selbstbau versucht habe. Und zwar so ganz richtig: Kartoffeln kochen, passieren, mit anderen Zutaten zu einem feinen Teig vermengen, ruhen lassen, undsoweiter. Stunden später sind die fast fertigen Klümpchen im Salzwasser zu Kartoffelstock verkommen. Die frustrierende Erfahrung führte zur Erkenntnis, dass man Gnocchi beim Grossverteiler als Frischprodukt aus dem Plastikbeutel kaufen darf.

Ich hielt mich eisern daran, bis ich letzthin über die «Gnocchi sciuè sciuè» gestolpert bin: Für zwei Personen wird aus 200 g Mehl, 220 ml Wasser und einem Kaffeelöffel Salz ein Brandteig produziert. (Für die Unkundigen: Wasser und Salz aufkochen, Mehl im Sturz beifügen, auf dem Herd rühren, bis die Kelle im Klumpen stecken bleibt.) Bei mir war noch eine Handvoll Thymian mit im Teig.
Den fertigen Teigklumpen lässt man eine halbe Stunde mit Folie bedeckt ruhen. Kleine Stücke davon werden dann von Hand auf etwas Mehl zu ringfingerdicken Würstchen gerollt und mit einem Messer zu Gnocchini geschnitten.

Gnocchini, unbedingt, denn wenn die Teile grösser sind, merkt man beim Essen die im Vergleich zu Kartoffelgnocchi gummigere Konsistenz.
Bis zu ihrem Bad im Salzwasser werden die Kleinen mit etwas Mehl bestäubt, damit nichts verklebt. Gekocht werden sie dann relativ kurz – halt bis sie im sprudelnden Wasser an die Oberfläche schwimmen.

Diesmal gabs ein ganz schlichtes Sösschen aus Peperoni, getrockneten Tomaten und Hirschwurstwürfeln dazu. Sehr schmackhaft! Die Gnocchi-Beutel bleiben in Zukunft im Regal hängen.

4 Kommentare

  1. Phemios sagt:

    Gestern probiert und begeistert! Ein richtig nobles Essen, wie es in Italien im kleinen Restaurant um die Ecke auf der handgeschriebenen Karte stehen würde. Mein Sösschen bestand aus einer in Butter und Oel zusammen mit einigen getrockneten Tomaten angeschwitzten Schalotte, wozu sich kurz vor dem Servieren zerzupfter Prosciutto crudo gesellte und worüber etwas Parmesan gehobelt wurde. Die Gnocchetti sogen die dichte Sauce wunderbar auf.
    Hier noch eine Präzisierung für die ganz Unkundigen: Wenn man beim Stürzen des Mehls ins kochende Wasser reflexartig zu fluchen beginnt, weil es aussieht, als hätte man zuviel von ersterem oder zuwenig von letzterem abgemessen, dann wird der Teig genau richtig…

    • admin sagt:

      Höhö. Ich war zuerst ja auch ein bisschen perplex: Meine letzte Erfahrung mit Brandteig waren kleine Eclairs letzten Winter (hier im Blog zu finden, irgendwo unter «Lage(r)bericht» abgelegt). Und der Teig war ein bisschen fluffiger als jener für die Gnocchetti.
      Sensationell finde ich das Rezept immer noch. Jetzt übe ich als nächstes, obs auch mit glutenfreiem Mehl geht – muss im nächsten Schilager schliesslich Spezialmenüs kochen…

  2. Phemios sagt:

    P.S.: Du hast bei „sciuè sciuè“ noch je ein i vergessen…

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