Computerführerschein NOW

Hatten wir den Blödsinn nicht in ähnlicher Form schon einmal? Diesmal ist es eine Angestellte im wissenschaftlichen Kader eines Museums.
Die mehreren Tausend Mitarbeitenden meines Arbeitsgebers haben ja (was durchaus sehr praktisch sein mag) Zugriff auf ein zentrales eMail-Adressverzeichnis. Und damit auch Zugriff auf die Mailinglisten aller möglicher Abteilungen. Was auch praktisch sein kann.
Wenn nun aber besagte Angestellte (die dummerweise beim gleichen Brötchengeber beschäftigt ist) sämtliche Verteiler zusammenklickt – eine respektable Handarbeit – und damit auf die Schnelle ein Veranstaltungsprogramm an einige Tausend Adressaten in die digitale Welt hinaushaut, gibts nur noch eins: Chips und Bier bereitstellen, Füsse hochlagern und auf die Internetanfänger warten. Der erste braucht nur elf Minuten, Wahnsinn:

Liebe Frau $Name
Danke für diese Info.
Herzlichen Gruss
$AndererName

Und nein, die nette Antwort für die nette Zustellung des Programms geht nicht nur an die Absenderin, sondern an ALLE paar Tausend Adressaten. Herr im Himmel, lass Hirn regnen!

Dann knappe zwei Stunden später ein Profi, der sich (im Prinzip ja völlig zu recht, er hat offenbar etwas gelernt in der Klubschule) aufregt:

Schon mal was gehört von Bcc?????
Das gibt es doch gar nicht!!

Und natürlich wieder an den ganzen Mitarbeitersalat. Sag mal!

to be continued, fürchte ich…

UPDATE drei Stunden später, eine Demonstration von geballter IT-Kompetenz, selbstverständlich @all (und als Antwort auf die Profimail von vorher mit dem Bcc und den vielen Fragezeichen, aber ja eigentlich für die OP gedacht):

Erstens wünsche ich eine Entschuldigung für diese Sauerei
Zweitens die umgehende Löschung meiner E-Mailadresse in Ihrem mittelalterlichen Verteiler
und
Drittens:! Wenn sie sich ihres Fehlers nicht bewusst sind, dass der Job des Newsletter-Mailings durch eine “kompetentere” Person übernommen werde!!!

Höhö, langsam wirds echt lustig. Popcorn ist bald alle, Bier auch schon aus.

UPDATE zwanzig Minuten später, nächste Patientin. Jetzt wirds spannend, wie soll man denn da bloss ins Bett kommen?

Ich finde diese Massenmails unakzeptierbar und hoffe, nie mehr mit solchem Unsinn belästigt zu werden!

Schreibts und belästigt ihrerseits Tausende. Was denken sich die Leute bloss? Wenigstens ist von unserer Abteilung noch niemand auf die debile Idee gekommen, allen zu antworten. Würde ja letztendlich irgendwie auf mich als ICT-Verantwortlichen zurückfallen ;-)

UPDATE Tag II, alle sind ausgeschlafen, um halb neun beginnt der lustige Reigen. Jetzt kommen noch die ganzen Spassvögel, deren Arbeit offenbar zu langweilig ist:

Bis alle alles gelesen und sich geärgert und wieder abgeregt haben gibt dies eine Wurscht zum Filetpreis!

Zehn Minuten später wieder eine gutgemeinte Nachricht an alle:

Es gibt auch Leute, welche die Mail einfach gelöscht haben und sich eigentlich nicht für weitere Kommentare interessieren. In diesem Sinne: Bitte nicht auf “allen Antworten” klicken, wenn Sie Ihre Reklamation an Frau $Name senden.

Besten Dank. Wenn die Menschheit nur wenigstens lesen könnte, würden uns ja weitere Mails erspart bleiben. Aber nein, nach zehn Minuten kommts nun langsam etwas genervt aus irgendeiner Teppichetage:

So jetzt hört aber alle mal auf damit, hab keine Lust noch weiteres über diesen unbedeutenden “Vorfall” zu lesen.

Ihr habts erraten, selbstverständlich an alle. Nicht dass uns noch jemand vergessen geht! Das Votum stösst natürlich auf Zustimmung, sogar mehrmals im Abstand von wenigen Minuten:

ich schliesse mich diesem Mail an.
Danke

ebenfalls

Freut mich, das hören zu dürfen. Und Zehntausend andere auch. Aus einem anderen mit Teppich ausgelegten Stockwerk kommt zehn Minuten später erneut eine gutgemeinte Anleitung:

Bitte unterlasst doch das “Antworten an alle!” So macht man ja genau das gleiche! Das belastet den Mail-Server!
Die Absenderin hat dies längst zur Kenntnis genommen und die Lehre daraus gezogen.
Es sei ihr verziehen :-)

Selbstverständlich. No hard feelings! Wir haben uns noch selten so unterhalten gefühlt. Und es ist ja noch lange nicht fertig, vor der Mittagspause ist noch viel Arbeitszeit, die mit sinnlosen Mails gefüllt werden will:

…”alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei”……
In diesem Sinne, frohes Schaffen

Hallo zäma
Mich stört diese “Bombardierung” massiv. Diese ist sicher kontraproduktiv! Es ist mir also nicht “Wurst” was mit mir passiert, respektive wie meine Zeit beansprucht wird. Ich schliesse mich meinen Vorängern an: Hört mit dem Blössinn auf!

Das ist mal eine Kampfansage, der nicht widersprochen werden darf: Die erste Antwort kommt nach weiteren 30 Minuten. Es ist eine Mail ohne zusätzlichen Inhalt – der Absender wollte wohl wirklich niemandes Zeit mehr zusätzlich beanspruchen und hat nur auf “Allen antworten” geklickt, ohne seine eigene Meinung auszudrücken. Sympathisch, wir haben uns ALLE sehr gefreut.

Dann wirds plötzlich ruhiger. Der nächste Angriff kommt erst um die Mittagszeit:

Da ärgert sich jeder über den Fauxpas, bittet aber gleichzeitig in einem Mail “an alle”, doch seiner Empörung nicht durch ein Email “an alle” Ausdruck zu verleihen und ist insgeheim eigentlich doch ganz amüsiert über die ganzen Kommentare, die etwas zur Auflockerung des Arbeitsalltags beitragen…
Zum Glück haben wir jetzt ein langes Wochenende vor uns, um uns von dieser furchtbaren Katastrophe zu erholen.

Was haben wir uns amüsiert, wie recht sie doch hat. Dass aber pro solche unsinnige Mail grob überschlagen 1 GB (!) an Daten durch den Mailserver flitzen, wird die Administratoren sicher nicht so freuen.
Jetzt wollen wir noch abwarten, was der Nachmittag so bringt – ein paar Dumme werden sich bestimmt noch finden lassen…

Video des Tages

Das nenn ich noch Einsatz: Ein Velofahrer wird gebüsst, weil er nicht den markierten Radweg benutzt hat (in NY kostet das immerhin stolze $50!), und hält sich fortan an alle Regeln. Koste es, was es wolle.
Ich würde mir bei solchen Aktionen wie gewohnt Rippen brechen.

Auf- und Abfahrtswochenende III

Der letzte Tourentag, der Sonntag, versprach landschaftlich sehr reizvoll und konditionell sehr anstrengend zu werden. Da sich die Wettervorhersage nicht gross von der des Vortags unterschied, wurde auch diesmal wieder kurz nach 7 Uhr morgens in die Pedale getreten. Mit dem Unterschied, dass in Arosa zu dieser Zeit weder Kaffee noch Frühstück erhältlich war.
Wach wurden wir gleich nach dem Start in Windeseile auf dem technischen Trail durchs Unterholz des «Usser Wald». Schnell waren fast 400 Meter Höhe vernichtet, ehe wir bei Langwies ins traumhafte Sapüner Tal einbogen und sofort nur noch heftigste Steigung zu verzeichnen war.

Und wie durch ein Wunder gibts weit hinten in diesem Tal ein sympathisches Berggasthaus, wo wir vor dem finalen steilen Aufstieg auf den Strelapass unseren Morgenkaffee nachholen und die Zuckerreserven mit Bündner Nusstorte auffüllen konnten. Und dieser Aufstieg, ganz zuhinterst im Haupter Täli, hatte es in sich. Nur unseren Fahrzeugen ging es prächtig: Die letzten 300 Höhenmeter wurden sie auf Händen getragen:

Oben angekommen, waren die üblichen schwarz dräuenden Wolken als Kulisse auch schon bereit. Zeit für den Gipfel-Apéro musste aber dennoch sein.

Die folgende Fahrt – erst waghalsig am Abhang auf einer Höhenlinie entlang des Panoramawegs (nomen est omen, hochgradig!) bis vor an den Gotschnagrat, dann auf sensationellen Trails bergab nach Klosters – bot unglaublich schöne Stellen. Und weitere Beweise dafür, dass uns der Wettergott wieso auch immer mögen musste. Bis auf wenige Tropfen und einen Schwung Hagelkörner liessen uns die dunklen Wolken mehrheitlich in Ruhe. So dass wir ungeduscht in müffelnder Synthetik unsere Mit-Bahnreisenden beglücken durften.

Auf- und Abfahrtswochenende II

Am zweiten Tourentag sollte nach dem ursprünglichen Plan fast Luftlinie über das Parpaner Rothorn nach Arosa gefahren werden. Da der Wetterbericht erneut für den Nachmittag Schauer und Gewitter verhiess, wählten wir einen Umweg. Zudem hatte der Metzger am Vortag vor viel Schnee auf der Schattseite des Horns gewarnt und dafür die wunderschöne Flora am nördlich gelegenen Churer Joch gelobt.

Also hiess es früh aufstehen, um halb sieben bei der Bäckerei vis-à-vis zum Frühstück aufzukreuzen und kurz nach halb acht Uhr morgens uns in die Pedalen zu schwingen.
Es war nicht zu viel versprochen worden: Die Vegetation beim erst gemächlichen dann steilen Aufstieg aufs Churer Joch war zu dieser Jahreszeit unglaublich reichhaltig. Biologen wären ausgeflippt, hatten wir aber leider keine dabei.

Nach dem Joch hiess es erst einmal wieder Höhe vernichten; ganze 400 m mussten daran glauben, bis wir am Bergbach die Scheiben auskühlen lassen konnten.

Auf dem steilen Weg hinauf zur Ochsenalp waren die verlorenen Meter sofort wieder erklettert. Die dunkle Bewölkung, die inzwischen aufgezogen war, wussten nicht einmal die Einheimischen zu deuten (oder sie hatten einfach keine Lust dazu, den Bikern Tips zu geben) – wir Flachländer entschieden uns fürs speditive Weiterfahren. Der Regen erwischte uns dann bald, aber wenigstens noch knapp unterhalb der Baumgrenze, wir konnten den Zwischenhalt unter den Bäumen perfekt fürs Zmittag nutzen.
Wenig später war mit 2158 m der höchste Punkt des Tages erreicht und die Bewölkung daran, wieder prächtig aufzureissen. Bis wir ins saisonbedingt ausgestorbene Arosa hinuntergetrailt waren, strahlte die Sonne von blauem Himmel.

Immerhin fanden wir im verschlafenen Dorf einen Ort für den Kaffeehalt und ein tolles Restaurant für den Abend. Aus Rücksicht auf die anwesenden Vegis verzichtete ich dort auf den auf der Karte feilgebotenen Kalbskopf. Wär sicher spannend gewesen – aber die Capuns lockten letzlich doch deutlich mehr. Mit ordentlich gebunkerten Kohlehydraten für den strengen Sonntag gings dann fast noch bei Tageslicht ins bequeme Bett.

Video des Tages

Hochspannend, wieviele verschiedene Disziplinen innerhalb der SBB Cargo beschäftigt sind, wenn es darum geht, einen Schwertransport über die Alpen zu bringen. Und woran alles gedacht werden muss, damit die Ware unbeschadet am Ziel landet. Hut ab!

Auf- und Abfahrtswochenende I

Späte Ostern und damit noch spätere Auffahrt: Eigentlich die idealen Bedingungen, um mit Freunden während ein paar Tagen neue Singletrails zu entdecken. Dieses Wochenende war das Bündnerland, die Gegend zwischen Chur, Lenzerheide und Davos, in unserem Visier.

In Chur gings am Freitag früh los mit einem steilen Aufstieg nach Brambrüesch. Die Sonne hielt noch wacker mit. Jean Luc, der Wettergott, schien trotz der widersprechenden Prognosen ganz auf unserer Seite zu sein.
Mittags war die kurze und steile Abfahrt entlang der Rodelbahn Pargitsch hinunter nach Churwalden eine erste Übung für Bremsen und Dämpfer. Viel Downhill sollte ja eigentlich nicht drinliegen, liegt doch unser Tagesziel, die Lenzerheide, rund 900 Meter über Chur. Eine nette kleine Metzgerei in Parpan versüsste den Aufstieg hoch zur Heide. Dem flotten Metzger sei an dieser Stelle für den guten Tip für die Samstagstour gedankt. (Und ihr dürft gerne seinen Online-Shop benutzen; das Zeug, das er verkauft, ist verboten gut!)

Nach dem anstrengenden Tag durften sich unsere Bikes dann fürs Après-Bike auf dem einzigen Sessellift weit und breit, der gerade nicht in Revision war, etwas erholen:

Bis sie schliesslich wieder halsbrecherisch die 800 Höhenmeter vom Piz Scalottas herunter in die Lenzerheide fahren durften, nur unterbrochen von einem gewitterbedingten Zwischenhalt im Restaurant an der Mittelstation.

Unsere Unterkunft auf Samstag war das Hotel Danis, für Biker sehr empfehlenswert. Die nette Besitzerin scheute keinen Aufwand, damit wir unsere eingesauten Fahrzeuge duschen konnten und stellte uns ihre Garage als Abstellraum für die Nacht zur Verfügung. Nicht zuletzt lohnt sich auch die wunderbare Küche des Hauses. Ideal für ausgehungerte Sportler!

note to myself

Hustensirup gehört in jede noch so rudimentär (hier Heftpflaster, Ibuprofen, Paracetamol) ausgerüstete Hausapotheke. Für die ersten zwei Stunden Schlaf mag das gute alte Hausrezept (zu gleichen Teilen Zitronensaft, Honig und Single Malt) ja noch nützen. Wiederholung verbietet sich allerdings, wenn anderntags ein normaler Arbeitstag ist. Wobei die Kopfschmerzen nach einer Überdosis Whisky wohl weniger schlimm wären als jene nach einer durchgehusteten Nacht.

verrinnende Zeit

Mein Video des Tages zum Wochenstart. Was wir schon immer wissen wollten: Wie gelangt der Sand in die Sanduhr hinein? Hier bekommen wir es auf höchst ästhetische Weise gezeigt.

(Und wieder etwas gelernt: Der Sand ist nicht Sand; es sind wohldefinierte Stahl-Nanokugeln.)

ESC

Kürzestzusammenfassung: Grauenvolle Darbietungen von SängerInnen, die keinen Ton treffen, unterbrochen von krampfhaft fröhlichen Moderatoren, die wacker englisch radebrechen. Ach ja, man sucht wieder einmal Europas bestes Lied. Der Name des Wettbewerbs ist Programm. Und die Flucht mithilfe der wohl extra danach benannten Taste oben links Pflicht. Gehörtes bleibt leider für immer eingebrannt….

(Und: Hatten wir sowas nicht eben erst? Darf man nicht singen können, um mitzumachen? Habe ich den Witz dieser Veranstaltung nicht verstanden?)

Kopfmusik

Es gibt Momente, wo Musik-Endlosschleifen im Kopf von «schön» zu «langsam aber sicher unerträglich» kippen. Nach einem Konzert, wo man selber mitwirkt, kann das Nachhallen jenseits des Gehörgangs nach intensiver Probearbeit, Hauptprobe und Aufführung schnell einmal ausarten.

In weiser Voraussicht und um ordentlich Gegensteuer zu geben habe ich deshalb meine Plattensammlung vor den Musical-Aufführungen sorgfältig aufgestockt. Wie gerufen kam da der Tip aus dem DRS2-Klangfenster (eine fürs Portemonnaie brandgefährliche Sendung: nach beinahe jeder Ausgabe muss ich sofort im iMusikladen auf Einkaufstour): eine ganz unauffällige Platte von Zee Avi, einer malayischen Singer-Songwriterin. Sie spielt Gitarre und Ukulele – auf der CD wird je nach Song passend ergänzt. Das wunderbar melancholische Lied «I Am Me Once More» gibts in Zee Avis Youtube-Kanal in einer superschönen Rohfassung (Einbetten scheint leider nicht zu klappen, irgendwie werdet ihrs schon zum Laufen bringen (vielleicht hier) – es lohnt sich!):

You would turn your head the other way
So you won’t have to listen to what I have to say
You assume that I needed you
But you didn’t realize that I needed no one but myself

But I should thank you for
Taking my blindfold off now
I ain’t jaded no more, no more
And I take pride in being the one that said goodbye
That could only mean I am me, once more

Kaufen!