Mehr über das opulente Mahl nach erfolgter Verdauung…
Haiku II
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unansehnlich
Wenn ich schon bei den kältebedingten Gelüsten nach Warmem und Kalorienreichem bin: Gestern brauchte ich eine heisse und scharfe Kürbissuppe zum Aufwärmen nach einer grossen Biketour (Suppenrezepte darf man schon fast nicht posten, so bubieinfach sind sie: Zwiebel und Knoblauch grob schneiden und mit ordentlich grüner Currypaste anrösten, Kürbiswürfel mitdünsten und mit Marsala oder Wein ablöschen, Bouillon dazu, weichkochen, altersheimgerecht pürieren, voilà. Anrichten mit Sauerrahm und Kürbiskernöl.), heute war es ein kleiner Kohlkopf, der mich nach ein paar Stunden Arbeit in der Kälte wieder auf Betriebstemperatur bringen sollte.
Auch hier nichts Grossartiges: Zwiebel fein schneiden, anbraten, Kohl in Streifen mitdünsten, etwas Kümmel, Salz und Rotwein dazu und zugedeckt weichgaren.
Ein längeres Telefonat während des Kochens lenkte dann meine Aufmerksamkeit vom schmorenden Kabis ab – beim nächsten Lüften des Deckels war die Flüssigkeit verdampft und das Gemüse klebte am Pfannenboden. Welch ein Glücksfall! Den Bodensatz konnte ich mit einem zusätzlichen Schluck Roten problemlos auflösen; was ich erhielt, waren wunderbare Röstaromen, die das Essen perfekt machten.
In der Pfanne sah es allerdings leider aus wie auf dem Komposthaufen (das Auge isst nicht immer mit, nein), deshalb zu eurer aller Beruhigung keine Fotos.
awesome
Unter dem Untertitel «How Did Your Folks Look Before They Were Parents?» entsteht eine ganz reizende Sammlung von alten Fotos.
Mich irritiert nur die Vergangenheitsform im Blogtitel. Muss ich damit rechnen, dass nur in vorelterlicher Zeit ein Attribut «awesome» möglich ist? Und wird man danach automatisch «boring»?
alles Andere ist Beilage
Der gestrige Feiertag bot eine ganz praktische Gelegenheit, wieder einmal mit einem ausreichenden Zeitbudget ein grosses Stück Fleisch zu einem kulinarischen Höhenflug zu verarbeiten. Für die sicherlich evolutionär bedingte unbändige Lust auf kalorienreiches Geschmortes mit Wurzelgemüse liebe ich den Winter! Gestern sollte es ein halbes Kalbsbein sein. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das Ursprungsrezept, das ich noch so knapp im Kopf habe, eines von der unvergesslichen Frau Kaltenbach, Haxen nach Italienerart.
Die Haxe rundherum mit einem scharfen Messer einschneiden, damit sie sich beim Braten nicht in sich selbst zusammenstülpt. Mit Salz und Gewürzen nach Wahl einreiben und im gusseisernen Topf scharf anbraten.
Dann die Fleischpracht aus dem Topf nehmen und dort ein bisschen Bratspeck, geraffelte Rüebli und Knollensellerie und ordentlich gepressten Knoblauch andämpfen. Mit einem Schluck guten Rotweins (bei mir wars ein sehr netter aus Montepulciano) ablöschen und diesen einkochen lassen, bis das Gemüse demnächst anzubrennen droht. Dann mit einem weiteren Schluck Wein die Bescherung auflösen – und diesen Vorgang nach Belieben ein paar Mal wiederholen, bis es im Topf wie in einem Sumpf aussieht.
Bei mir hat gestern die Geduld nicht ganz gereicht. Es darf aber wirklich massiv schwarzbraun aussehen, das intensive Aroma wird unvergleichlich.
Jetzt schmeisst man ein paar zerkleinerte Tomaten (im Winter halt jene aus der Büchse) ins Gemüse, legt die Haxe darauf und schliesst für mindestens 1.5 Stunden den Deckel. Zwischendurch prüft man ab und zu, ob genügend Flüssigkeit da ist. Vor dem Servieren kommt frische gehackte Petersilie darüber.
Eben: Alles Andere ist Beilage. Hier waren das ein paar Tagliolini und natürlich ein Glas vom gleichen Wein, der schon für den Sumpf verantwortlich war.
Die Menge, die ich für mich alleine verwendet habe, kann man natürlich nicht unbedingt 1:1 hochskalieren. Auch für 4 Personen hätte ich eine Büchse Tomaten und die ähnlichen Gemüsemengen verwendet. Jetzt habe ich dafür fantastische Saucenreste im Kühlschrank. Trotzdem hier gerne die technischen Eckwerte:
1 Kalbshaxe
Streuwürze, Paprika, Pfeffer
2 grosse Knoblauchzehen
3 Rüebli
1 kleine Sellerieknolle
1 Büchse (400 g) Tomaten
1 dl Rotwein (siehe Text)
1 Bund Petersilie
Und danach hat man Energie für die nächste Biketour, von welchen wetterbedingt dummerweise grad keine ansteht.
lernresistent, hochgradig
Ich bin ja definitiv nicht der Starbucks-Typ (wie kann man bloss halbe Badewannen voller Dreifachen-Latte-Caramel-Sirup-Schokostreusel-Flavor-Wasweissich-Kaffee trinken?), trinke meinen Kaffee gerne sehr klein, rabenschwarz und stark. Und dennoch muss ich zu meiner Schande eingestehen, welchen Blödsinn ich letzte Woche käuflich erstanden habe:
Jetzt wäre das ja noch knapp entschuldbar: Es ist bald Weihnachten, da schlägt halt die karitative Ader durch und man unterstützt notleidende Kaffeekonzerne. Und zur aufkeimenden Weihnachtsstimmung passen doch Lebkuchen-, Aprikosen- und Maronen-Aromen. Aber nein, nach den ersten zwei (in den Ausguss, nicht den Rachen) weggekippten Tassen gibts nur ein Fazit für mich: Schmeckt Scheisse. Zwar nach Lebkuchen und Kaffee, aber beides unsäglich schlecht. Nicht zu vergleichen mit einem starken Espresso und einem Stück frischen Lebkuchens.
Eben: Das wäre knapp entschuldbar, einmal in die Klokiste gegriffen, daraus fürs Leben gelernt. Aber wieso um Himmels Willen habe ich Weihnachten 2007 mit «Chocolate Orange, Almond, and Cardamom» und letztes Jahr mit den Varietäten «Ginger, Caramel and Mandarin» genau denselben Fehler gemacht?
Wer Interesse am einmaligen Geschmackserlebnis hat: Anfangs Februar werden die verbliebenen Kapseln im Skilager dem Tiramisu das Aroma schenken, bis dahin stauben sie bei mir in der Küche vor sich hin und werden jedem Besuch gnadenlos einzuflössen versucht.
Haiku I
Yesterday it worked
Today it is not working
Computers are like that.
(Jaaa meine lieben Sprachwissenschaftler, hängt mich, ich weiss, dass das traditionelle Standardhaiku die Silbenaufteilung 5-7-5 hat. Als Variante für die letzte Zeile geht natürlich das etwas tendenziöse aber nichtsdestoweniger zutreffende «Windows is like that».)
Kinder
Wie unglaublich treffend Zweieinhalbjährige Schönes formulieren können:
Mama: «Wofür brauchen wir die Ohren?»
Joël: «Zum Lose.»
Mama: «Und wofür brauchen wir die Augen?»
Joël: «Zum Luege.»
Mama: «Und den Mund?»
Joël: «Zum Lache!»
Und wie stolz der Onkel Michael ist, wenn es sich bei dem schlauen Kerlchen um den eigenen Göttibueb handelt!
Kräuterfondue
Darf man es mit einem Augenzwinkern «Entwicklungshilfe» oder «Kurs in Schweizer Brauchtum» nennen, wenn man als Schweizer einen netten Abend mit drei Deutschen zusammen verbringt und gemeinsam ein Fondue kocht?
Diese Variante der Käsesuppe kommt mit einer geballten Ladung Kräuter daher und ist deshalb besonders leicht verdaulich. Oder auch nicht aus diesem Grund – mir ist das Kräuterfondue jedenfalls bislang immer sehr gut bekommen.
Für vier Personen sieht das Rezept folgendermassen aus:
(mindestens) 2 Knoblauchzehen
3 EL frische fein gehackte Kräuter (Rosmarin und Thymian passen bestens)
400 g rezenter Bergkäse
200 g Gruyère (von der Alp oder höhlengereift, auf jeden Fall rezent)
200 g Vacherin Fribourgeois
2 EL Maizena
4 dl Weisswein
Kirsch oder Kräuterschnaps
Pfeffer
Caquelon mit dem Knoblauch ausreiben. Ich hacke danach die Zehen kurz und klein und werfe sie mit ins Fondue – alles andere wäre jammerschade. Käse, Kräuter, Maizena und Wein hineingeben und mischen. Lässt man die kalte Mischung vor dem Aufkochen eine halbe Stunde zur Ruhe kommen, wird das Fondue anschliessend noch sämiger; das bisschen Zeit lohnt es sich aufzuwenden.
Käse unter Rühren aufkochen. Dann bei reduzierter Hitze und unter stetem Rühren (als Kind habe ich gelernt, dass man mit der Kelle eine «8» auf den Pfannenboden zeichnen muss) gespannt warten, bis der Käse geschmolzen und das Fondue perfekt cremig ist. Nach Belieben mit einem Schluck Kirsch und Pfeffer aus der Mühle würzen.
Wir haben den Käse gestern mit einem selbstgemachten Zwiebelbrot aus dem Caquelon gefischt. Eine Top-Aromakombination. Als Wein – zum Trinken und selbstverständlich auch im Fondue drin – kam in der Flasche gefangene Walliser Sonne aus der «Petite Arvine»-Traube zum Einsatz. Der charakterstarke Weisse passt ganz toll zur würzigen Käsemischung.
Erziehungsfragen
Als Ergänzung zum vorherigen Post:
People worry about kids playing with guns, and teenagers watching violent videos; we are scared that some sort of culture of violence will take them over. Nobodies worries about kids listening to thousands – literally thousands – of songs about broken hearts and rejection and pain and misery and loss.
Nick Hornby (High Fidelity), unerschöpfliche Quelle vieler in Stein gemeisselter Zitate.







