weinen mit Rossini

Letzte Woche während einer Bahnfahrt wieder einmal Rossinis «Petite Messe Solennelle» gehört. Ein grandioses Werk, das mir fast bei jedem Satz die Tränen in die Augen treibt, so unerhört schön ist es. Der Schlusssatz «Agnus Dei» zum Beispiel – in der Originalfassung mit Klavier und Harmonium sehr subtil instrumentiert –, eine Alt-Arie, wo der Chor jeweil zum «Dona nobis pacem» wie aus der Ferne einsetzt. Oder das «Crucifixus», tragisch-schön vom Sopran gesungen. Schon beim blossen Beschreiben bekomme ich eine Gänsehaut.

Und dann muss ich jeweils an einen anderen Wesenszug des Herrn Rossini denken, den des Genussmenschen und Gourmets. Von ihm ist folgendes unsterbliches Zitat überliefert:

Ho pianto tre volte nella mia vita: quando mi fischiarono la prima opera, quando sentii suonare Paganini e quando mi cadde in acqua, durante una gita in barca, un tacchino farcito ai tartufi

Auf deutsch also in etwa (nein, ich habs nicht selbst übersetzt; Italienisch gehört bei mir leider nicht ins Repertoire):

Ich gebe zu, dreimal in meinem Leben geweint zu haben: als meine erste Oper durchfiel, als ich Paganini die Violine spielen hörte und als bei einem Bootspicknick ein getrüffelter Truthahn über Bord fiel.

2 Kommentare

  1. Susanne sagt:

    da kann ich dir voll beipflichten. Schade, hört man Rossini nicht so häufig öffentlich…
    Übrigens. Das Fauré-Requiem hat ahnlichen Gänsehauteffekt. Aber ob Fauré ein Gourmet war…?

  2. phemios sagt:

    Die Rossini-Anekdote erinnert mich an das unvergessliche erste und einzige Mal in meinem Leben, als ich das Vergnügen von Tournedos Rossini hatte. Die Szene: Ein kleines, rustikales Lokal in Dijon (irgendwo beim Theater, Bistro du théâtre oder sowas), ein paar Tische, alle leer bis auf einen ganz hinten, an dem ein junger Mann und ein etwas rundlicher mittelalterlicher sassen. Als wir uns setzten, kam der junge auf uns zu und der alte verschwand in der Küche, und zusammen setzten sie als Kellner und Koch ein Gesamtkunstwerk in Gang, das in ebenjenem Hauptgang gipfelte. Grossartig!

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