Ich gebe es ja zu, die meisten Liberalisierungen finde ich so überflüssig wie die SVP. Weshalb soll ich den Anbieter meines Stroms auswählen können? Wieso sollen verschiedene Unternehmen das Bahnnetz befahren müssen? In den meisten Fällen ist «Liberalisierung» ohnehin nur ein Euphemismus für «Leistungsabbau».
Nun müssen natürlich auch die Postdienste liberalisiert werden. Paketanbieter gibt es bereits einige auf dem Markt. Und, liebe Manager der Schweizer Post, keine Angst: Ein Alleinstellungsmerkmal kann euch so schnell niemand wegnehmen: Die Möglichkeit, ein Paket nach erfolglosem Zustellversuch an der nächsten Poststelle abholen zu können.
Gerade eben erlebe ich es wieder: Expresspaket, am 7. Dezember 18 Uhr Schweizer Zeit in Las Vegas, Nevada, auf die Reise geschickt. Bereits gestern (!) 11 Uhr hat es der Kurier erfolglos auszuliefern versucht. Er braucht nämlich eine Unterschrift von mir – und um 11 bin ich normalerweise bei der Arbeit.
Und jetzt beginnts: Der «InfoNotice»-Zettel lässt mich zwar eine neue Zustellung und diverse Optionen auswählen, sogar per Web oder Telefon. Aber, Rückseite lesen: «Änderungen der Zustellung müssen vor 18.30 Uhr gemacht werden, damit diese am nächsten Tag Gültigkeit haben.» Hallo werktätige Bevölkerung? Wer ist denn schon so früh von der Arbeit zurück? Die geplante Zweitzustellung heute Freitag kann ich also nicht mehr stoppen. Der Kurier wird wieder unverrichteter Dinge abziehen müssen. Und die Reise meiner Sendung vom Lager Arlesheim nach Luzern doppelt so lange dauern wie von Nevada in die Schweiz.
