Die kühnsten Experimente in der Küche mache ich aus Prinzip nur, wenn Besuch angekündigt ist. Macht das Kochen irgendwie spannender. Da es heute ein Arbeitsessen werden sollte (also zuerst Arbeit, dann Essen), musste ich etwas zum Vorbereiten haben. Höchste Zeit, den erstickten Hahn einmal auszuprobieren. Das Gericht ist – wie könnte es bei mir in dieser Jahreszeit anders sein – ein Schmortopf, dem während des Kochvorgangs jede Möglichkeit zum Luftaustausch und zur Dampfabgabe verwehrt wird. Wie man das macht? Ganz einfach: Der gusseiserne Bräter wird perfekt abgedichtet, und zwar nicht mit Bauschaum, sondern mit einem stinknormalen Hefeteig:
500 g Mehl
½ Hefewürfel
1 KL Salz
30 g Butter
3 dl Milchwasser
Ok, nicht ganz stinknormal. Aber so wird das Brot ein bisschen besser. Den Teig knetet man nun nach allen Regeln der Kunst, stellt ihn zur Ruhe und beginnt den Brattopf zu füllen.
In den grosszügig gebutterten Topf habe ich ein paar rote Zwiebeln, Knoblauchzehen und einige Thymianzweige gegeben. Dann massiert man ein Poulet oder ein paar Pouletschenkel (oder ggf. auch Kaninchen oder Fasan) mit Gewürzen, in meinem Fall war das Kräutersalz, Pfeffer, Paprika, Curry und eine Fleisch-Würzmischung. Kleiner Tip: vermengt man die Gewürze mit ein paar Tropfen Olivenöl zu einer Paste, lässt sich die viel besser aufs Huhn auftragen und bleibt dort auch haften. Das Fleisch legt man in den Brattopf, aufs Gemüsebeet. Ich habe versuchsweise ein paar ganze Kartoffeln mit der Schale dazugelegt. Wenn sie relativ klein sind, werden sie ganz fein und ergänzen das Gericht prima.
Als Dampferzeuger passt ein guter Weisswein. Hier war es eine halbe Flasche Petite Arvine aus dem Wallis. Bei einem grösseren Brattopf dürfte es wohl gegen einen halben Liter benötigen.
Jetzt sind Sanitärinstallateure gefragt: Aus etwa der Hälfte des Teigs eine lange Rolle formen, auf den Pfannenrand legen und den Deckel schön mittig daraufpressen. Danach kann man den Teig noch ein bisschen hochziehen, um eine perfekte Dichtigkeit zu erzielen.
Jetzt geht die Geschichte für eine Stunde bei 200 °C in den Ofen. Beim Öffnen ist Vorsicht geboten. Erstens braucht es einen beherzten Ruck, um den Teigrand aufzubrechen, und zweitens entweicht dann sehr heisser Dampf.
Die Kartoffeln sind eigentlich nicht nötig: Das wunderbar nach Huhn duftende Brot ist ideal, um die recht dünne aber unheimlich intensiv-aromatische Sauce aufzusaugen.
Den heissen Backofen nutzt man natürlich gleich, um aus dem übriggebliebenen Teig ein Brot fürs nächste Frühstück zu backen.


