Essen für Schwerarbeiter

Darauf haben wir eine ganze Weile gewartet, auf den geeigneten Anlass, es diesen unglaublichen Helden gleichzutun. Ein Wohnungsumzug war nun die ideale Gelegenheit dazu.

Nach den ersten paar Fahrten mit dem roten Transporter, einigen frischen Schrammen in den Türzargen der alten Wohnung und Kratzern an unseren Armen und entsprechend vielen derben Flüchen (meine verstanden zum Glück die wenigsten Zuhörenden – wir waren praktischerweise in frankophoner Gegend) waren wir in bester Handwerkerlaune und bereit für den grossen Augenblick. Bei uns war es ein San-Daniele-Rohschinken (danke für die Erinnerungshilfe) Schinken aus Parma, nicht ganz so dick wie im Original. – Man munkelt, dass den Einkäufer beim Anblick der grossen Keule der Mut verlassen hat, obwohl ihm die für uns ungewohnte Dicke von der freundlichen Italienerin ohne mit der Wimper zu zucken geschnitten wurde. – Und eine Flasche billigen italienischen Weins, der ohne den Schinken jeder Beschreibung spotten würde.

Fleisch in der einen, Wein in der anderen Hand gings los. Jeder Bissen Parma wurde anständig durchgekaut und zwecks Steigerung des Geschmackserlebnis in der Mundhöhle mit einem Schluck des (un)edlen Tropfens vermählt. Toll! Wuchtig! Fleisch in seiner besten Urform!

Gaumenfreude

Mein Telefon mit dem angebissenen Apfel macht leider keine besseren Fotos. Wer beim Anblick dieses Prachtschinkens jetzt aber denkt, wieviel man hier netto essen kann und wieviel man wegschneiden muss, dem kann ich auch nicht helfen. Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Dass sich der Schreibende bei der ganzen Arbeit drumherum den Rücken ruiniert hat, sei hier nur am Rande erwähnt und verblasst selbstverständlich neben der genialen Einfachheit des Essens.

3 Kommentare

  1. phemios sagt:

    Ich muss zu meiner Ehrenrettung noch präzisieren, dass ich der freundlichen Italienerin die Schinkendicke etwas massiver angegeben hatte, als sie schliesslich rauskam. Entgegengenommen hat sie die Bestellung aber tatsächlich mit einer Coolness, wie wenn solcherlei täglich verlangt würde. Für den nächsten Versuch würde ichs selbstverständlich gerne doppelt so dick probieren; und dann würde mich auch interessieren, ob man das Ergebnis unter Verwendung eines nicht spottbilligen, sondern einfach normalen italienischen Roten noch ein bisschen intensivieren könnte: Ich fand die Säure des Weines beim Kontakt mit der Zunge etwas gar heftig und die Zeit relativ lang, bis sie sich soweit verflüchtigt hatte, dass das Geschmackserlebnis losgehen konnte.
    Die Schrammen in den Türzargen gingen dann übrigens bei der Wohnungsabgabe unbesehen durch – und die Katastrophe an der Stubendecke geht (streng nach Lebensdauertabelle) zu Lasten des Vermieters. So machts Freude!

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