Sonntagswissen

Man lernt nie aus, selbst am siebten Tag, an dem doch geruht werden sollte. Wie oft schon habe ich Hauppauge-Produkte bei Kunden installiert, ohne zu wissen, wie um Himmels Willen der Firmenname ausgesprochen wird. Von «Haupauge» bis «Häppäg» habe ich schon alles gehört und selber verwendet.

Und jetzt – welche Offenbarung! – finde ich endlich ganz hochoffiziell:

How do you pronounce Hauppauge?

Hauppauge is a town in NY on Long Island. Hauppauge is pronounced HOP-HOG. The American Indians dubbed the area around the headwaters of the Nissequogue (NISS-I-QUOG) River Hauppauge; it means, «overflowed land» in the Algonquian language. Hauppauge boasts a large industrial park, home of many well-known companies.

Hier gibts die Erleuchtung sogar akustisch.

fruchtiges Vergnügen

Das Heimkommen ist immer speziell erfreulich, wenn ich weiss, dass dort ein zuvor gebackener Kuchen wartet. Guter Kaffee sowieso. Letzte Woche war von der Saison her höchste Zeit für die feine Brombeer-Mürbeteig-Tarte:

Schnell gemacht und sehr fein:

Mürbeteig
200 g Mehl
1 Prise Salz
80 g Zucker
1 Zitrone, abgeriebene Schale
120 g Butter
1 kleines Ei

Mehl, Salz, Zucker und Zitrone mischen und zusammen mit der Butter zu einer krümeligen Masse reiben. Das zerquirlte Ei dazugeben und die klebrige Pampe zu einem weichen Teig zu vermischen versuchen. In ein 28-cm-Blech hineindrücken (geht von Hand am einfachsten) und kühl stellen.

Füllung
2 Eier
2 EL Zucker
1 Päckli Vanillezucker
80 g gemahlene Haselnüsse
4 EL Crème fraîche
400 g Brombeeren

Eier und beide Zucker mixen, bis die Masse schaumig und hell wird, Nüsse und Crème fraîche darunterrühren und mit den Brombeeren vermischen. Dann alles ins Blech mit dem vorbereiteten Teig giessen und eine gute halbe Stunde bei 200 °C backen.

Zusammen mit einem guten Espresso ein Traum. Ich werd bald fett, wenn ich noch lange nicht wieder anständig Sport treiben darf…

Gutes aus alter Zeit

Einfachste Zutaten und solides Handwerk ergeben oft ganz tolle Mahlzeiten. Und wenn der Koch bei der Präparation wie beim guten alten Hackbraten mit beiden Armen bis fast zu den Ellbogen im Essen versinken darf, erhöht das den Spassfaktor massiv.

Das geht natürlich nur mit der ganz grossen Masse für 80 hungrige Mäuler. Im Kleinhaushalt sieht die Zutatenliste bescheidener aus:

750 g Gehacktes Dreierlei

2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 Bund Petersilie

1 dl Milch
2 Stück Weissbrot, ohne Rinde

1 Ei
1 KL Salz
½ KL Streuwürze, z.B. ein feines Fleischgewürz
1 Msp Curry
1 KL italienische Kräutermischung
½ dl Weisswein

1 dl Fleischbrühe oder Rotwein
4 dl Bratensauce oder Demi Glace, angerührt

Zwiebeln und Knoblauch hacken und zusammen mit der ebenfalls gehackten Petersilie kurz andünsten und auskühlen lassen.

Das Brot fein zerzupfen und in der Milch zu einem undefinierbaren homogenen Brei zerfallen lassen.

Dann alle Zutaten bis und mit Weisswein mit Wonne sorgfältig vermischen. Von Hand ist es am schönsten. Die Fleischmasse zu einem Braten formen (falls die Konsistenz dies nicht zulassen sollte, mit etwas Paniermehl nachtrocknen) und in eine eingefettete tiefe Form setzen.
Mit 10 kg Fleisch gibt das solche Prachtsdinger:

Das Zeug kommt nun für eine knappe Stunde in den 220 °C heissen Ofen. Die ersten zehn Minuten trocken, bis das Fleisch leichte Bräune annimmt. Dann wird mit Rotwein ein erstes Mal aufgegossen und anschliessend regelmässig mit etwas Bratensauce benetzt, damit der Hackbraten eine schöne Kruste erhält. Zusammen mit einem Kartoffelgratin ergibt das ein sensationelles Essen. Und unbedingt immer zu viel Braten produzieren: die kalten Reste schmecken noch einmal so gut.

(Und nicht dass mir wegen der Latex-Handschuhe im ersten Bild jemand denkt, ich wäre ein Hygienefanatiker. Ein Koch muss mit blossen Händen arbeiten! Zu besagter Zeit hatte ich aber der Kälte wegen rissige Hände, deren Heilung durch Fleischkontakt nicht gefördert worden wäre.)

lahme Ente

Ja, ziemlich genau so sah es aus nach dem Update auf die vom Hersteller wärmstens empfohlene neuste Firmware-Version. Inzwischen ist das Problem hier zum Glück nicht mehr akut. Aber offizielle Abhilfe für das Problem ist weiterhin nicht in Sicht.

Und um den teuren Briefbeschwerer zu einem halbwegs guten Preis weiterverkaufen zu können (hat jemand Interesse?), war also ein Downgrade auf die letzte als funktionierend bekannte Software angesagt. Und Fluchen. Denn wenn der Grosskonzern es schon nicht innert vernünftiger Zeit hinbekommt, seinen Fehler auszubügeln, sollte wenigstens das Wiederherstellen des Telefons in einen brauchbaren Zustand bitte ohne Informatikstudium möglich sein!

schöne Stadt

Höchste Zeit, dass ich wieder mal dorthin komme. Der Stop-Mo-Tilt-Shift-Film weckt in mir so etwas wie Heimweh…

kleine Freuden

…und somit sollten die unhaltbaren Zustände also demnächst der Vergangenheit angehören. Dass ein Konzern mit dieser Masche (Software-Update empfehlen, welches das alte Gerät praktisch unbenutzbar macht, damit der Neukauf unausweichlich wird) bei mir durchkommt, kann ich inzwischen auch nur noch mit dem Stockholm-Syndrom erklären.

Spam des Tages

Auch eine solche Mail ist zwar ganz klar als (419-)Spam einzustufen. Macht mein Filter lokal auch sehr zuverlässig. Wenn es allerdings irgendwo eine Mailinglist für diese Kategorie eMails gäbe, ich würde sie wohl ohne zu zögern abonnieren:

Guter Tag,

Ich glaube, dass Sie a in hohem Grade sind – respektierte Pers5onlichkeit, habe ich einen Antrag für Sie. Dieses ist jedoch nicht noch I in irgendeiner Weise zwingt Sie, gegen Ihren Willen zu ehren vorgeschrieben, aber ich hoffe, dass Sie an lesen und den Wert betrachten, den ich Sie anbiete. Mein Name ist Herr Song Lile, ich sind der Kreditsachbeareiter in der Hang- Sengbank, Hong Kong. Ich habe einen Geschäftsantrag in der Melodie von gebracht zu werden 19.5m, usd zu einem Offshorekonto mit Ihrem assistace beim Willen.

Nachdem die erfolgreiche Übertragung, wir im Verhältnis von 30% für Sie und von 70% für mich teilt. Wenn Sie interessiert sind, reagieren Sie bitte auf meinen Brief sofort, also können wir alle Vorbereitungen beginnen und ich gebe Ihnen mehr Informationen über das Projekt und wie wir Handgriff es wurden.

Sie können mit mir auf meiner privaten eMail in Verbindung treten (…) und schicken Sie mir die folgenden Informationen zum Unterlagenzweck.

Und wer bezahlt mir bitte die neue Tastatur, wenn ich vor lauter Lachen den Morgenkaffee verschütte?

Herbst

Der Herbst vor dem Fenster draussen rüttelt wieder massiv an meiner melancholischen Ader, und passend dazu tauchte heute zufälligerweise «Autumn leaves», zart und einfühlsam interpretiert von Eva Cassidy, in meinem iMusikspieler auf:

The falling leaves drift by my window
The falling leaves of red and gold
I see your lips, the summer kisses
The sunburned hands I used to hold

Since you went away the days grow long
And soon I’ll hear old winter’s song
But I miss you most of all, my darling
When autumn leaves start to fall

Sowohl «Songbird» wie «Time After Time», beides posthum erschienene Alben der 1996 viel zu früh verstorbenen (und damals nur einem kleinen Publikum bekannten) Sängerin, sind wunderschöne musikalische Schmuckstücke. Kaufen!

told you

Da bin ich ja altmodisch: Meinen Facebook-Account habe ich nach einigen Wochen des Experimentierens wieder entsorgt. Persönliches Fazit: Braucht kein Mensch. Bei der SwissMiss drüben habe ich gerade eben einen Film gefunden (NB ein Projekt, das an der benachbarten HSLU D&K entstanden ist, chapeau!), der meine verbohrte Ansicht zu den Social Networks künstlerisch wertvoll auf den Punkt bringt:

Und kommt mir nicht mit dem Argument (und DEM Killerkriterium, weshalb man eben bei Facebook dabei sein müsse), über soziale Netzwerke könne man lange verschollen geglaubte Bekannte wiederfinden. Zu Menschen, die mir wichtig sind, halte ich auch ohne dieses Vehikel Kontakt. Und sollte ich wirklich jemals einen Spielkameraden aus dem Kindergarten wiederfinden wollen, bin ich über Google ohnehin schneller und effektiver.

Langsamer Genuss

Die Karte mit den Tessiner Spezialitäten im Bellini war hier ja bereits einmal Thema und Grund für Freudentränen. Eben erst habe ich wieder dort gegessen und zu meinem Entzücken festgestellt, dass einige der Gerichte vom Herbst-Special damals immer noch auf der Karte stehen.
Selbst ohne das Logo mit der Schnecke zu sehen, das auf der ersten Seite prangt, merkt man beim aufmerksamen Studium der Karte, dass hier ein Küchenchef mit den Ideen von Slow Food sympathisiert: Viele unprätentiöse Gerichte mit althergebrachten Zutaten, deren (Klein-)Produzenten auch ausführlich erwähnt werden.

Einer davon ist der Metzgermeister Donato Mattioli aus Lavorgo.


© franca pedrazzetti

Ihm verdankte ich die fantastischen Wurstwaren auf dem Vorspeisenteller und in den Ravioli, die mit Mortadella cruda und einem würzigen Ziegenkäse gefüllt waren. (Und ganz simpel in einer Rosmarinbutter geschwenkt auf den Teller kamen. Jede Sauce wäre ein herber Verlust gewesen für das feine Aroma der Teigtaschen.)

Wie man als frecher Gourmet halt so ist, fragt man nach dem Essen das Personal, woher das Fleisch stammt, und ob man der Einfachkeit halber von dieser elendiglich feinen, ganz speziell gewürzten Mortadella gerade aus dem Lager des Restaurants etwas beziehen könne. Zwecks Verlängerung des Genusses. Kann man selbstverständlich. Und der Sous-Chef höchstpersönlich bringt die Köstlichkeit an den Tisch und erläutert diverse Zubereitungsformen. Sensationell!

In Würfel geschnitten und gut angebraten wanderte ein Teil des Ungetüms zu Hause in einen Salat. Und was soll ich sagen: unbeschreiblich gut. Bei meiner nächsten Tessinreise muss zwingend ein Abstecher nach Lavorgo mit ins Programm!